 mit einem wirklichen Säbel und
einem lebendigen Pferd?«
    »Für meinen Sohn Rudolf wurde mir heute auch eine Schachtel Bleisoldaten
gebracht - ich werde sie ihm nicht geben. - Doch warum - als der Fritzl zum
Friedrich sich entwickelt hatte, warum haben Sie da nicht einen Stand verlassen,
der Ihnen verhasst geworden?«
    »Verhasst? Das ist zu viel gesagt. Ich hasse den Zustand der Dinge, der uns
Menschen so grausige Pflichten auferlegt, wie das Kriegführen; da dieser Zustand
nun aber einmal da ist - unvermeidlich da ist - so kann ich die Leute nicht
hassen, welche die daraus erwachsenden Pflichten auf sich nehmen und
gewissenhaft, mit Aufwand ihrer besten Kräfte, erfüllen. Wenn ich den
Militärdienst verliesse, würde darum weniger Krieg geführt? Gewiss nicht. Es würde
nur an meiner Stelle ein Anderer sein Leben einsetzen - das kann ich schon auch
selber tun.«
    »Könnten Sie Ihren Mitmenschen nicht in einem anderen Stande mehr Nutzen
bringen?«
    »Ich wüsste nicht. Ich habe nichts Anderes gründlich gelernt als die
Soldaterei. Man kann um sich herum immer Gutes und Nützliches wirken; ich habe
Gelegenheit genug, den Leuten, die unter mir dienen, das Leben zu erleichtern.
Und was mich selber betrifft - ich bin ja sozusagen auch ein Mitmensch - so
genieße ich den Respekt, welchen die Welt meinem Stande entgegenbringt; ich habe
eine leidlich gute Karrière gemacht - bin bei den Kameraden beliebt, und freue
mich dieser Erfolge. Vermögen besitze ich keins, als Privatmann hätte ich weder
die Mittel, anderen noch mir zu nützen - aus welchem Grunde hätte ich da meine
Laufbahn aufgeben sollen?«
    »Weil Ihnen das Totschlagen widerstrebt.«
    »Wenn es gilt, das eigene Leben gegen einen anderen Totschläger zu
verteidigen, so hört die persönliche Tötungsverantwortung auf. Der Krieg ist oft
und ganz zutreffend ein Massenmord benannt worden, aber der einzelne fühlt sich
nicht als Mörder. Dass mir jedoch der Kampf widerstrebt, dass mir die
Jammerauftritte des Schlachtfeldes Schmerz und Ekel einflößen - das ist wahr.
Ich leide dabei, leide intensiv ... aber so muss auch mancher Seemann während des
Sturmes von der Seekrankheit leiden, und dennoch, wenn er ein halbwegs braver
Kerl ist, hält er aus auf Deck, und wagt sich, wenn es sein muss, immer wieder
hinaus ins Meer.«
    »Ja, wenn es sein muss. Muss der Krieg denn sein?«
    »Das ist eine andere Frage. Aber mitziehen muss der einzelne - und das gibt
ihm, wenn auch nicht Lust, so doch Kraft zu seiner Amtserfüllung.«
    So sprachen wir noch eine Zeit lang fort - in leisem Ton, um die
Piketspieler nicht zu stören - und wohl auch, um
