 das betrachtet würden, wofür man sie ausgibt: als Vogelscheuchen? Also,
damit man sie niemals brauche, der ganze Kostenaufwand ihrer Herstellung! Die
Völker müssen ihr ganzes Geld hergeben, um an den Grenzen Befestigungen zu
machen, in der Absicht, sich über die Grenzen hin Kusshändchen zuzuwerfen? Zu
einer bloßen Friedens-Aufrechterhaltungs-Gendarmerie lässt sich das Militär nicht
herabdrücken - der oberste Kriegsherr wird doch nicht einem Heer von ewigen
Kriegsvermeidern vorstehen sollen? Hinter dieser Maske - der »si vis
pacem«-Maske - blinzeln die einverständlichen Blicke, und die jedes Kriegsbudget
bewilligenden Abgeordneten blinzeln mit.«
    »Die Volksvertreter?« unterbrach der Minister. »Man kann den Opfermut doch
nur loben, dessen diese in ernsten Zeiten niemals ermangeln und welcher in der
einhelligen Votierung der entsprechenden Gesetze erhebenden Ausdruck findet.«
    »Verzeihen Sie, Excellenz, diesen einhelligen Stimmabgebern wollte ich einem
nach dem andern zurufen: Dein Ja wird jener Mutter ihr einziges Kind rauben; -
deines bohrt jenem armen Wicht die Augen aus; - deines schießt eine
unersetzliche Bücherei in Brand; - deines zerstampft das Hirn eines Dichters,
der deines Landes Ruhm gewesen wäre ... Aber ihr habt dieses »Ja« votiert, um
nur ja nicht feige zu scheinen - als ob man gerade nur für sich die Assentierung
fürchten müsste. - Seid ihr denn nicht da, um des Volkes Willen zur Geltung zu
bringen? Und das Volk will die produktive Arbeit, will die Entlastung, will den
Frieden ...«
    »Ich hoffe, lieber Doktor,« bemerkte der Oberst bitter, »dass Sie niemals
Abgeordneter werden; das ganze Haus würde Sie auspfeifen.«
    »Mich dem auszusetzen, würde schon beweisen, dass ich nicht feige bin. Gegen
den Strom zu schwimmen erfordert die stählerne Kraft.«
    »Wenn aber der Ernstfall einträte und man stände unvorbereitet da?«
    »Man bereite einen Rechtszustand vor, der den Eintritt des Ernstfalles
unmöglich mache. Denn was dieser Fall sein wird, Herr Oberst, von dem kann
heutzutage kein Mensch einen klaren Begriff fassen. Bei der Furchtbarkeit der
gegenwärtig erreichten und noch immer steigenden Waffentechnik, bei der
Massenhaftigkeit der Streitkräfte wird der nächste Krieg wahrlich kein ernster,
sondern ein - es gibt gar kein Wort dafür - ein Riesenjammer-Fall sein ... Hilfe
und Verpflegung unmöglich ... Die Sanitätsvorkehrungen und Proviantvorkehrungen
werden den Anforderungen gegenüber als die reine Ironie sich erweisen; der
nächste Krieg, von welchem die Leute so geläufig und gleichmütig reden, der wird
nicht Gewinn für die Einen und Verlust für die Anderen bedeuten, sondern
Untergang für Alle. Wer hier unter uns stimmt für diesen Ernstfall?«
    »Ich allerdings nicht,« sagte der Minister; »Sie
