 peinlichen Gefühlen entgegen, denn es
fiel mir darin eine unaufrichtige Rolle zu. - Aber zum Wohle der Sache, welcher
Friedrich fortan seine Dienste geweiht, konnte ich mir schon einige Überwindung
auferlegen und mich mit dem Satze trösten: Der Zweck heiligt die Mittel.
    Nach den ersten Begrüßungen - wir saßen alle Drei auf niederen Lehnstühlen
in der Nähe des Ofens - begann der Konsistorialrat also:
    »Lassen Sie mich auf den Zweck meines Besuches eingehen, gnädige Frau. Es
handelt sich darum, aus Ihrer Seele einige Skrupel zu bannen, welche nicht ohne
scheinbare Berechtigung sind, welche aber leicht als Sophismen dargelegt werden
können. Sie finden z.B., dass das Gebot Christi, man solle seine Feinde lieben
und ferner der Satz: Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen in
Widerspruch zu den Pflichten des Soldaten stehen, der ja doch bemächtigt ist,
den Feind an Leib und Leben zu schädigen -«
    »Allerdings, Herr Konsistorialrat, dieser Widerspruch scheint mir unlöslich.
Es kommt auch noch das ausdrückliche Gebot des Dekalogs hinzu: Du sollst nicht
töten.«
    »Nun ja - auf der Oberfläche beurteilt, liegt hierin eine Schwierigkeit;
aber wenn man in die Tiefe dringt, so schwinden die Zweifel. Was das fünfte
Gebot anbelangt, so würde es richtiger heißen (und ist auch in der englischen
Bibelausgabe so übertragen) »Du sollst nicht morden.« Die Tötung zur Notwehr ist
aber kein Mord. Und der Krieg ist ja doch nur die Notwehr im Großen. Wir können
und müssen, der sanften Mahnung unseres Erlösers gemäß, die Feinde lieben; aber
das soll nicht heißen, dass wir offenbares Unrecht und Gewalttätigkeit nicht
sollten abwehren dürfen.«
    »Dann kommt es also immer darauf hinaus, dass nur Verteidigungskriege gerecht
seien, und ein Schwertstreich erst dann geführt werden darf, wenn der Feind ins
Land fällt? Die gegnerische Nation aber geht von demselben Grundsatz aus - wie
kann da überhaupt der Kampf beginnen? In dem letzten Krieg war es Ihre Armee,
Herr Konsistorialrat, welche zuerst die Grenze überschritt und -«
    »Wenn man den Feind abwehren will, meine Gnädige - wozu man das heiligste
Recht hat, so ist es durchaus nicht nötig, die günstige Zeit zu versäumen und
erst zu warten, bis er uns ins Land gefallen, sondern es muss unter Umständen dem
Landesherrn frei stehen, dem Gewaltsamen, Ungerechten zuvorzukommen. dabei
befolgt er eben das geschriebene Wort: Wer das Schwert nimmt, soll durch das
Schwert umkommen. Er stellt sich als Gottes Diener und Rächer über den Feind,
indem er trachtet, Denjenigen, der gegen ihn das Schwert nimmt, durch das
Schwert umkommen zu lassen -«
    »Da muss irgendwo ein Trugschluss stecken, sagte ich
