
gerichtet. Das kleine pikante Duell, welches die Preußen und Österreicher là-bas
en Bohème ausgefochten, das war schon eine etwas verjährte Angelegenheit ... O,
was drei Monate zurückliegt oder dreißig Meilen entfernt ist, was nicht im
Bereich des Jetzt und des Hier sich abspielt, dort reichen die kurzen
Fühlhörnchen des menschlichen Herzens und des menschlichen Gedächtnisses nicht
hin.
    Gegen Mitte Oktober verließen wir die Schweiz. Wir begaben uns nach Wien
zurück, wo die Abwickelung der Verlassenschaftsangelegenheiten meine Anwesenheit
erheischte. Nach Erledigung dieser Geschäfte beabsichtigten wir, uns auf längere
Zeit in Paris niederzulassen. Friedrich führte im Sinn, der Idee der
Friedensliga nach Kräften die Wege zu ebnen, und er war der Ansicht, dass die
bevorstehende Weltausstellung die beste Gelegenheit biete, einen Kongress der
Friedensfreunde zu veranstalten; auch hielt er Paris für den geeignetsten Ort,
eine internationale Sache wirksam zu vertreten.
    »Das Kriegshandwerk habe ich niedergelegt,« sagte er, »und zwar habe ich das
aus einer im Kriege selber gewonnenen Überzeugung getan. Für diese Überzeugung
nun will ich wirken. Ich trete in den Dienst der Friedensarmee. Freilich noch
ein ganz kleines Heer, dessen Streiter keine andere Wehr und Waffen haben, als
den Rechtsgedanken und die Menschenliebe. Doch Alles, was in der Folge groß
geworden, hat klein und unscheinbar begonnen.
    »Ach,« seufzte ich dagegen, »es ist ein hoffnungsloses Beginnen. Was willst
Du - Einzelner - erreichen, gegen jenes mächtige, jahrtausendalte, von Millionen
Menschen verteidigte Bollwerk?«
    »Erreichen? Ich? ... Wahrlich, so unvernünftig bin ich nicht, zu hoffen, dass
ich persönlich eine Umgestaltung herbeiführen werde. Ich sagte ja nur, dass ich
in die Reihen der Friedensarmee eintreten wolle. Habe ich etwa, als ich beim
Kriegsheer stand, gehofft, dass ich das Vaterland retten, dass ich eine Provinz
erobern würde? Nein, der Einzelne kann nur dienen, Mehr noch: er muss dienen. Wer
von einer Sache durchglüht ist, der kann nicht anders, als für sie wirken, als
für sie sein Leben einsetzen - wenn er auch weiß, wie wenig dieses Leben an und
für sich zum Siege beitragen kann. Er dient, weil er muss: nicht nur der Staat -
auch die eigene Überzeugung, wenn sie begeistert ist, legt eine Wehrpflicht
auf.«
    »Du hast recht. Und wenn endlich Millionen Begeisterter dieser Wehrpflicht
genügen, dann muss jenes von seinen Verteidigern verlassene, jahrtausendalte
Bollwerk auch zusammenfallen.«
    Von Wien aus machte ich eine Pilgerfahrt nach Grumitz - dessen Herrin ich
nun geworden. Doch ich betrat gar nicht das Schloss. Nur auf dem Friedhof legte
ich vier Kränze nieder und fuhr wieder zurück.
    Nachdem meine wichtigsten Geschäfte
