 Bewunderung
flössten mir nur die Schlachtengewinner ein. Das waren ja die vorzüglichen Träger
der Geschichte, die Lenker der Länderschicksale; die waren doch an Wichtigkeit,
an Erhabenheit - an Göttlichkeit beinahe - über alles andere Volk so erhaben,
wie Alpen- und Himalayagipfel über Gräser und Blümlein des Tales.
    Aus alledem brauche ich nicht zu schließen, dass ich eine Heldennatur besaß.
Die Sache lag einfach so: ich war begeisterungsfähig und leidenschaftlich; da
habe ich mich natürlich für dasjenige leidenschaftlich begeistert, was mir von
meinen Lehrbüchern und von meiner Umgebung am höchsten angepriesen wurde.
    Mein Vater war General in der österreichischen Armee und hatte unter »Vater
Radetzky«, den er abgöttisch verehrte, in Custozza gefochten. Was musste ich da
immer für Feldzugsanekdoten hören! Der gute Papa war so stolz auf seine
Kriegserlebnisse und sprach mit solcher Genugtuung von den »mitgemachten
Kampagnen«, dass mir unwillkürlich um jeden Mann leid war, der keine ähnlichen
Erinnerungen besitzt. Welch eine Zurücksetzung doch für das weibliche
Geschlecht, dass es von dieser grossartigsten Betätigung des menschlichen Ehr-
und Pflichtgefühls ausgeschlossen ist! ... Wenn mir je etwas von den
Bestrebungen der Frauen nach Gleichberechtigung zu Ohren kam - doch davon hörte
man in meiner Jugend nur wenig und gewöhnlich in verspottendem und verdammendem
Tone - so begriff ich die Emanzipationswünsche nur nach einer Richtung: die
Frauen sollten auch das Recht haben, bewaffnet in den Krieg zu ziehen. Ach, wie
schön las sich's in der Geschichte von einer Semiramis oder Katarina II.: »sie
führte mit diesem oder jenem Nachbarstaate Krieg - sie eroberte dieses oder
jenes Land ...«
    Überhaupt, die Geschichte! die ist, so wie sie der Jugend gelehrt wird, die
Hauptquelle der Kriegsbewunderung. Da prägt sich schon dem Kindersinne ein, dass
der Herr der Heerscharen unaufhörlich Schlachten anordnet; dass diese sozusagen
das Vehikel sind, auf welchem die Völkergeschicke durch die Zeiten fortrollen;
dass sie die Erfüllung eines unausweichlichen Naturgesetzes sind und von Zeit zu
Zeit immer kommen müssen, wie Meeresstürme und Erdbeben; dass wohl Schrecken und
Greuel damit verbunden sind, letztere aber voll aufgewogen werden: für die
Gesamtheit durch die Wichtigkeit der Resultate, für den Einzelnen durch den
dabei zu erreichenden Ruhmesglanz, oder doch durch das Bewusstsein der
erhabensten Pflichterfüllung. Gibt es denn einen schöneren Tod, als den auf dem
Feld der Ehre - eine edlere Unsterblichkeit, als die des Helden? Das alles geht
klar und einhellig aus allen Lehr- und Lesebüchern »für den Schulgebrauch«
hervor, wo nebst der eigentlichen Geschichte, die nur als eine lange Kette von
Kriegsereignissen dargestellt wird, auch die verschiedenen Erzählungen und
Gedichte immer nur von heldenmütigen Waffentaten zu berichten wissen. Das
gehört so zum patriotischen Erziehungssystem. Da aus
