, und dafür
        ist er mir dankbar. Ich meinerseits bin ihm dankbar für die Liebe, die
        er Dir weiht. Es ist so selten, dass Kinder ihre Stiefeltern gut leiden
        mögen, freilich ist an Dir auch nichts Stiefväterliches - Du könntest
        mit einem eigenen Jungen nicht zärtlicher, nicht gütiger sein, Du mein
        Zärtlicher, Gütiger! Ja die Güte - die große, weiche, milde - die ist
        Deines Wesens Grundlage und - wie sagt der Dichter? - so wie der Himmel
        aus einem einzigen großen Saphir sich wölbt, so formt sich eines edlen
        Menschen Charaktergrösse nur aus einer Tugend - der Güte. Mit anderen
        Worten: ich lieb' Dich, Friedrich! Das ist ja doch immer der Refrain
        Alles dessen, was ich von Dir und Deinen Eigenschaften denke. So
        vertrauensvoll, so zuversichtlich lieb' ich Dich - ich ruhe in Dir,
        Friedrich, warm und sanft ... Wenn ich Dich habe - versteht sich. Jetzt,
        da Du mir wieder entrissen bist, ist's mit meiner Ruhe natürlich aus.
        Ach, wäre der Sturm nur schon vorbei, vorbei - wäret ihr doch in Berlin,
        um dem König Wilhelm die Friedensbedingungen zu diktieren! Mein Vater
        ist nämlich fest überzeugt, dass dies des Feldzugs Ende sein wird, und
        nach Allem, was man hört und liest, muss ich es wohl auch glauben.
        »Sobald, mit Gottes Hilfe, der Feind geschlagen ist« - so lautete ja
        Benedeks Aufruf - »werden wir ihn auf dem Fuße verfolgen und ihr werdet
        in Feindesland euch ausrasten und diejenigen Erholungen« und so weiter.
        Was sind denn das für Erholungen? Heutzutage darf kein Anführer mehr
        laut und unumwunden sagen: »Ihr dürft plündern, brennen, morden,
        schänden,« wie dies im Mittelalter Brauch war, um die Horden anzufeuern;
        - jetzt könnte man ihnen als Lohn höchstens eine freigebige Verteilung
        von Erbswurst in Aussicht stellen; das wäre aber etwas matt, also heißt
        es verblümt: »diejenigen Erholungen« und so weiter. dabei kann sich
        Jeder denken, was er will. Das Prinzip des in »Feindesland« zu findenden
        Kriegslohnes lebt im Soldatenstil noch fort ... Und wie wird Dir in
        »Feindesland« zu Mute sein, welches ja eigentlich Dein Stammland ist, wo
        Deine Freunde und Deine Vettern leben? Wirst Du Dich dadurch »erholen«,
        dass Du Tante Korneliens hübsche Villa dem Erdboden gleich machst?
        »Feindesland« - das ist eigentlich auch so ein fossiler Begriff aus
        jenen Zeiten, wo der Krieg noch unverhohlen das war, was seine raison
        d'être vorstellt; ein Raubzug; - und wo das Feindesland dem Streiter als
        lohnverheissendes Beuteland winkte ... Ich spreche da mit Dir, wie in
