 ja, man könnte, wohl aber soll nicht, denn: Nr. 5.
    Jetzt wirft der Friedensanwalt diesen Einwand um und beweist, dass, im
Gegenteile, der Krieg den Menschen verroht und entmenschlicht -
    Nun ja, das schon, aber - Nr. 3.
    Dieses Argument, wenn von den Verherrlichern des Krieges angeführt, ist
schon das allerunaufrichtigste. Eher dient es jenen, die den Krieg verabscheuen
und die für die grausige Erscheinung doch einen Grund, ein die Natur sozusagen
entschuldigendes Moment auffinden wollen; aber wer im Innern den Krieg liebt und
ihn erhalten hilft, der tut es sicher nicht im Hinblick auf das Wohlbefinden
entfernter Geschlechter. Die gewalttätige Dezimierung der gegenwärtigen
Menschheit durch Totschlag, künstliche Seuchenbildung und Verarmung wird gewiss
nicht veranstaltet, um von der künftigen die Gefahr etwaigen Mangelleidens
abzulenken; wenn menschliches Eingreifen nötig wäre, um zum allgemeinen Wohle
Übervölkerung zu verhüten, so gäbe es wohl direktere Mittel hierzu als
Kriegführung. Das Argument ist also nur eine Finte, welche aber meist mit Erfolg
angewendet wird, weil sie verblüfft. Das Ding klingt so gelehrt und eigentlich
sehr menschenfreundlich - man denke nur: unsere lieben in einigen tausend Jahren
lebenden Nachkommen, denen müssen wir doch genügenden Ellbogenraum schaffen! -
Dieses Nr. 3 bringt viele Friedensverteidiger in Verlegenheit. Über solche
naturwissenschaftliche und sozialökonomische Fragen sind die wenigsten Leute
unterrichtet; die wenigsten wissen wohl, dass das Gleichgewicht von Sterblichkeit
und Fruchtbarkeit von selber sich herstellt; dass die Natur über ihre Lebewesen
nicht die vernichtenden Gefahren bringt, um deren Überzahl zu verhüten, sondern
umgekehrt: dass sie die Fruchtbarkeit derer erhöht, die großen Gefahren
ausgesetzt sind. Nach einem Kriege z, B. steigt die Zahl der Geburten und so
wird der Verlust wieder ersetzt; nach langem Frieden und bei Wohlstande fällt
diese Zahl - und so tritt die Übervölkerung - - dieses Wahngespenst - überhaupt
nicht ein. Das alles aber hat man nicht klar vor Augen; man fühlt nur
instinktiv, dass das berühmte Nr. 3 nicht richtig sein kann und keinesfalls vom
anderen ehrlich gemeint ist. Da begnügt man sich, das alte Sprichwort
anzuführen: »Es ist schon dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel
wachsen« und dann - nicht jenes Resultat haben die Machtaber im Auge ...
    - Zugegeben - aber Nr. 1.
    Und so nimmt der Streit kein Ende. Der Kriegerische behält immer recht; sein
Räsonnement bewegt sich in einem Kreise, wo man ihm stets nachlaufen, ihn aber
nie erreichen kann. Der Krieg ist ein schreckliches Übel, aber er muss sein. - Er
muss zwar nicht sein, aber er ist ein hohes Gut. Diesen Mangel an
Folgerichtigkeit, an logischer Ehrlichkeit, lassen sich alle jene zu schulden
kommen, welche
