 endlich einer Anführerin über. Schwungvoll wie eine Kunst,
nicht mit der Nüchternheit eines Handwerkes wollte sie den edlen Sport betrieben
sehen. Den der Jagd zum Beispiel, an dem Karla und Betty leidenschaftlich Anteil
nahmen. Was man so vortrefflich auszuüben versteht, soll auch schön ausgeübt
werden.
    »Machen wir ihnen eine Freude«, sagte sie zu Hermann, »lassen wir für ein
paar Tage das Goldene Zeitalter der Jagd wieder aufleben, zaubern wir uns an den
Hof Augusts des Starken oder nach dem Jagdschloss Blankenburg. Veranstalten wir
ein Fest, bei dem einmal gezeigt wird, was das Haus Dornach vermag; denke nur,
dass ich selbst es noch nie in seinem Glanze gesehen habe.«
    »Ein schweres Versäumnis«, erwiderte er, »aber wir wollen es gutmachen.«
    Die öden, immer verhangenen Prunksäle wurden dem Licht und der Luft
geöffnet, und es zog wie ein Erwachen durch die Räume. Ein leises Knistern erhob
sich in dem alten Schnitzwerk und Getäfel der Wände, ein plätscherndes Geräusch
in den meergrünen, goldbefransten, vom Winde, der durch die Fenster drang,
geblähten Vorhängen und Draperien. Die Prismen der kristallenen Kronleuchter
schlugen lustig aneinander mit feinem, hellem Klang. Und erst auf dem Orchester
im Tanzsaale, wie ging es da zu! Da wurde gestimmt und geübt und Straussische
Musik einstudiert. Eine stürmische Auferstehung für die Streich-und
Blasinstrumente, die geruht hatten in ihren Särgen, seitdem sie der längst
vergessenen Weise eines Menuets à la reine ihre Stimmen geliehen. Der greise,
immer mürrische Schlosswärter, der sich als der eigentliche Schlossherr
betrachtete, griff ungern genug auf Hermanns Befehl nach seinem Schlüsselbund.
Und die eisenbeschlagenen Eichenschränke in der Silberkammer lieferten die
Schätze aus, die ihr Hüter sorgsam pflegte und geizig verbarg vor der Neugier
der Laien. Da kamen sie hervor und schmückten die Tafel im großen Speisesaal,
die phantastischen Aufsätze und Trinkschiffe, die Nautilusschalen, die
romanischen Pokale und die gotischen mit ihren kleinen durchbrochenen Türmen,
Spitzbogen und Fialen. Kannen, Becher, Schüsseln in bewunderungswürdig
getriebener Arbeit, mit Figurenreliefs, eingeschmolzener Emaillierung,
eingesetzten Edelsteinen, Triumphe der Goldschmiedekunst, die Hand Jannitzers,
Eisenhoidts, Dinglingers verratend, dieser bescheidenen Meister einer
Kleinkunst, aus deren Werkstätten so viele große Künstler hervorgegangen sind.
    Die Einladungen zu dem Feste waren im Stile des 18. Jahrhunderts verfasst.
Die »Kavaliere und Dames« wurden gebeten, nach dem Kesseltreiben, das an der
Stelle des historischen Fuchsprellens abgehalten werden sollte, »in
grünsammetener, mit Silber verschamerierter Kleidung« beim Mahle zu erscheinen.
Zur Jagd selbst kamen die Gäste natürlich in beliebigem Kostüm: »Je schäbiger,
je schickiger!«
    Karla und Betty Wonsheim, die das Wort erfunden hatten, brachten es zu
Ehren, sahen
