 bin, was ich jetzt
besitzen, genießen ... oder mit forcirter Resignation verschmähen darf - ich
glaube: käme ich in eine Sphäre hinein, wo ich allen meinen Launen und
Bedürfnissen fröhnen, wo ich mir Natur- und Kunstgenüsse ... wo ich mir Frauen,
Wein, Spiel Sport, Luxus, kurz ein im großen Stile gehaltenes, im großen Stile
ausgegebenes, ästetisch feingeistig bestimmtes, reich nuancirtes Leben
gestatten dürfte - ich würde mit beiden Händen zugreifen und mit liebenswürdiger
Bereitwilligkeit vergessen, dass ich einmal in Schopenhauer'schem
Panillusionismus gemacht habe - das Märchen von den Trauben, die man sauer
findet, weil sie zu hoch hängen, Herr Doctor - nicht? Und mir scheint zudem
auch: die individuelle Seelendisposition lässt sich in jungen Jahren noch ganz
gehörig von den Verhältnissen, also auch von eventuell neuen Einflüssen, die
wirkend werden, durchcorrigiren ... Man verbeisst sich nun so oft in sich, weil -
nun, weil es Einem unbequem - ja! eben unbequem ist, mit der größten Freundin
der Menschheit, mit der dreimal heiligen, dreimal gebenedeiten Gewohnheit zu
rechnen, die Alles ebnet, Alles siebt, Alles schlichtet, Alles glättet und
versöhnt .... Das ist gewisslich wahr! .«
    Irmer lächelte, halb gutmütig-belustigt, halb ironisch. »Ich habe das
Gefühl, Herr Doctor,« begann er sodann, nachdem er eine kleine Pause nach der
buntscheckigen Rede Adams hatte verstreichen lassen, - »dass das Alles gar nicht
Ihr Ernst ist ... Ich höre nicht gut ... und Sie sprechen auch nicht sehr laut,
aber mir kommt es vor, als ob Ihre Stimme etwas spöttisch geklungen hätte
vorhin. Nun ... ich habe eine andere Art ... wenn ich damit auch nicht gesagt
haben will, dass ich nicht auch einmal so wie Sie gedacht, gewollt und gewünscht
hätte ... das ist aber schon ein Weilchen her ... so ein paar Jahrzehnte. Gehen
Sie hinaus in die Welt, lieber Doctor! Sie sind noch jung ... Und wenn Sie älter
... alt - älter ist manchmal weniger, als alt - geworden sind, auf ganz
gewöhnliche, hergebrachte Weise alt ... physiologisch kühler und enger ... dann
kommen Sie wieder ... und Sie sind wieder Pessimist, wie es Kant, Schopenhauer,
Goethe, Humboldt und die ganze Gesellschaft von Kerlen, die Etwas bedeutet
haben, gewesen sind ... On revient toujours ... Sie verstehen - das ist auch in
der philosophischen Weltanschauung nicht anders. Der Pessimismus des Alters
unterscheidet sich von dem der Jugend nur dadurch ... oder wenigstens in der
Hauptsache nur dadurch,
