 und trivial war,
gar nicht übel. Und nicht übel passte objectiv und behagte seinem Besitzer auch
subjectiv der Vorname Adam - »Adam Mensch«: eine originelle Idee seines Vaters
war es doch gewesen, die Familienüberlieferung, nach welcher jeder Erstgeborene
den Vornamen Gottfried erhalten sollte, zu durchbrechen und seinen Erstling
»Adam« zu taufen! Manchmal war der Name seinem Träger allerdings mehr eine Last,
denn eine Lust gewesen: zu den Zeiten, da er die Volksschule seiner kleinen
Vaterstadt besucht und mit Kameraden auf einer Bank hatte sitzen müssen, die an
sich wohl auch so etwas Ähnliches, wie ... wie Menschen eben gewesen waren,
sonst aber nur Richter, Schneider, Gernegross, Potschappel - und zuweilen selbst
Müller und Schulze geheißen hatten. Da hatte denn sein Name den Fisch abgegeben,
nach dem die wühlende Bubensippschaft die Angeln ihres tölpelnden Nörgelns
ausgeworfen. Das hakt sich fest in der Seele dessen, der früh von der großen,
breiten Durchschnittsstrasse abzubiegen beginnt ... oder, wenn in jungen Jahren
auch noch nicht wirklich abbiegt, so sich doch schon mehr und mehr an die Ränder
der Straße schlängelt, auf dass er dem Nebendickicht näher sei und besser und
deutlicher einen schmalen Einzelpfad durch die wuchernde Wildnis für sich
erspähe.
    Adam war in engen, drückenden, rohen Verhältnissen aufgewachsen. Sein Vater,
Gottfried Mensch, hatte einen Bäckermeister vorgestellt. Ein Mann, verschwommen
an Leib und Geist, eigenwillig, aufbrausend, unstät in Stimmungs- und
Willensgegensätzen lebend, von schnurrigen Einfällen behaftet, nicht ohne eine
gewisse Eigenart und Kraft, aber ohne die Sicherheit, ohne die Lebensgarantie
der Beschränktheit. Er hatte sich in seiner Natur ausgelebt - das heißt: er
hatte nach Welt und Menschen nicht viel gefragt und nur dem bunten Bündel seiner
Neigungsströme gefröhnt. dabei war das Geschäft natürlich heruntergekommen - und
unbewusst, naturgemässig-notwendig, im Besitze des Mutes, Alles gehen zu lassen,
wie es geht, und dem ökonomischen Verderbensmoloch ruhig seine Giftzähne zu
lassen, hatte sich Meister Gottfried Mensch immermehr an den Alkohol
angeschlossen, welcher ihm allerdings weniger Tröster war, als ein guter
Kamerad, der Feuer in die Seele goss und wirbelnde Phantasie'n gebar. Und eines
Tages war dann das Delirium gekommen. Die Krämpfe und Wutausbrüche wuchsen an
Ofteit und Stärke, aber es trat auch nicht allzuspät der Gehirnschlag ein, der
den Rasenden eines Abends ausblies. Adams Mutter hatte sich die
Kehlkopfschwindsucht anschaffen müssen. Vier Kinder waren da: zwei Knaben und
zwei Mädchen. Die Brut war nicht gesund. Adam musste sich in späteren Jahren noch
öfter sattsam wundern, dass er alle die Plackereien und Quälereien, die er hatte
auf sich nehmen müssen, ausgehalten, wenigstens einigermaßen ausgehalten. Nun ja
doch! Brüchig
