 schon
in diesem verheissungsvollen Stadium des inneren Lebens. Und so bin ich denn,
eben in Folge dieser köstlichen Reife meiner Natur, im Stande, vernünftig zu
werden - ich komme auf einem zweiten Wege zu demselbem Resultate - das heißt:
ich versuche mir die Mittel zu schaffen, jenes vernünftige Leben führen zu
können - in meinem Falle: ich verheirate mich reich. Das ist der bequemste
Modus. Nicht wahr -? Das wirst Du zugeben müssen, Emmy. Und dann könnte ja auch
die Möglichkeit eintreten, dass sich jene bewussten, teoretischen Erkenntnisse
und radikalen Anschauungen bei mir so festsetzten, dass sie unwillkürlich zur
reflektorischen Auslösung von ihnen entsprechenden Handlungen führten - und zu
solchen abnormen Handlungen, die Einen sofort in den allerdirektesten Bruch mit
der Gesellschaft bringen würden, kann sich nur der versteigen, der es aus
äußeren, also aus materiellen Gründen nicht nötig hat, nach der Sanktionirung
seiner Handlungen von Seiten der Gesellschaft zu fragen. Sonst - müsste er auf
diese Sanktionirung sehen, müsste er mit diesem Moment rechnen - du lieber
Himmel! - wenn er seinem Jammer nicht selbst ein redliches Ende setze - er würde
in der Tat sehr bald zerrieben und zermalmt, zerrissen, zerquetscht werden ...
Also heirate ich meine Lydia - nicht wahr? - nun begreifst Du ... Ob ich das
Weib liebe - ich weiß es nicht. Vielleicht, vielleichter auch nicht. Es ist ja
Alles Stimmung bei mir, Emmy, Alles ... Und Hedwig -? Ja wohl! Sie dauert mich,
sie tut mir leid, sogar sehr leid - aber was will ich machen -? Im Grunde ist
sie selbst schuld an ihrem Unglück. Ich habe ihren Vater und sie sattsam über
meine Anschauungen, Gewohnheiten, über die Art meines Handelns aufgeklärt. Es
ist ja wahr, dass ich sie sozusagen in Versuchung geführt habe. Warum hat sie mir
aber nicht widerstanden? Sie konnte nicht, sie musste aus Gründen, die bei ihr
gültig waren und sie zwangen, unterliegen. Sie ist eben auch nicht
verantwortlich zu machen, nur muss sie eben als Object, in dem und an dem sich
Etwas ereignete, auch die Folgen dieser Ereignisse tragen. Das müssen wir eben
Alle. Was kann ein Getreideacker dafür, dass ein Gewitter über ihn niedergeht? Er
muss die Folgen hinnehmen, muss sich zerstampfen lassen, muss seine Ähren opfern
... So springt die Natur mit uns Allen um - und uns bleibt bloß die statistische
Recapitulation, die sauersüsse Resignation - nichts weiter. - C'est tout. Das ist
Alles, aber auch andrerseits - gerade genug. Siehst Du, Emmy, Du bist doch
vielleicht das einzige Weib von allen Weibern, mit denen ich in der letzten
