 mancherlei Eigenes und unbestochen Identisches
mir zusammengedacht - aber ich irrte doch planlos und haltlos durch das
Labyrinth der Zeitlichkeit, und wenig Spannung und Berührung fühlte ich mit den
Wesenskräften, mit dem Grundgranite des Daseins ... Ich hatte mich nicht gehen
lassen wollen - ich war nur noch unfest, schwankend gewesen, und die Stosskraft
der Versuchung hatte leichten Kauf mit mir gehabt. Ich war hineingewirbelt
worden ins Treiben. Ich war nicht mehr sehend und selbständig geblieben. Der
psychologische Vorgang ist ja durchsichtig genug. Aus physischen Bedingungen war
ich nachlässig oder unfähig - und so erfolgte auf die vereinheitlichende
Anspannung die Reaktion mit ihrer zerfasernden Zerstreuung. Das ist's eben, was
mich oft so namenlos traurig stimmt: gegen eingewurzelte Gewohnheiten und
Eigenheiten sind wir im Ganzen machtlos - wir stehen so gut wie waffenlos dem
Hochdrucke ihres Einflusses gegenüber. Und der Wechsel von Hoch und Nieder, von
Auf und Ab, ist so naturbedingt! Auch hier triumphirt das Fragment. -
    Aelter werden und mit den Jahren an Kraft und Ruhe und Maß wachsen, heißt
weiter nichts, als verzichten, sich beschränken, halb bewusst - halb
gewohnheitsmässig, physiologisch-bedingt unbewusst. Prahle Keiner mit seiner Ruhe
und Sicherheit. Ob nicht in den Tagen einer ungestümen Gährung der Blick doch
weiter trägt? Im Spiegel der Ewigkeit schrumpfen die Bilder der Zeitlichkeit
bedenklich zusammen. Das Genie der Jugend bedeutet ein längeres Senkblei, denn
das Talent des Alters.
    In dem psycho-physiologischen Gesetze von Wirkung und Gegenwirkung und in
dem fortdauernden Einflüsse unausrottbarer Wesenswurzeln, von denen Jeder ein
Rudel besitzt, liegen die Grenzen und Hemmnisse, vor denen alles Grössere und
Bedeutendere des Lebens zerbröckelt. Zu den unausrottbaren Wesenswurzeln aber
zähle ich den Zug zum Leichtsinn, von dem sich auch in das schwerste Gemüt eine
Unze hineingemischt hat. -
    Es ist nicht allzuschwer, alle Äußerungen des Lebens auf bestimmte einfache
Formeln zurückzuführen. Aber es gehört ein leichter, glücklicher Sinn dazu, sich
von der Fülle der Erscheinungen nicht immer wieder verblüffen, nicht immer
wieder entmutigen und entwaffnen zu lassen.
    Ich besiege ein Objekt, indem ich es fein säuberlich durchschaue, erkenne.
Erkennen ist nur Anerkennen - und umgekehrt. Es besiegt mich, dieses Objekt,
indem es auch auf mich weiter wirkt, nachdem ich es mir geistig unterworfen
habe. So bin ich Herr und Sklave zugleich. Das darf mich wurmen und freuen, denn
ich habe doch immer gesiegt, wenn auch gleichsam nur negativ. Aber vielleicht
sind darum die Schmerzen darüber, dass ich den Einfluss nicht nach meinem Ermessen
tilgen kann, nur um so heftigere ...
    Organismus ... System..: Alles gesetzmässig Entwickelte,
Zusammengeschlossene, Abgerundete hat größere Lebenskräfte in sich, als das
Verzettelte, Aphoristische. Aber
