 noch um einige Grade steigern ... und dann mit größtem
Gleichmut das verführerische Gebräu hinabschlürfen? ...
    »Wie heißen Sie, mein Fräulein?« fragte er vorerst die Kellnerin. So tut
man so oft etwas Überflüssiges, so lange man nicht weiß, ob man das weniger
Überflüssige nicht für das noch mehr Überflüssige halten soll.
    »Melitta!« antwortete die Dame.
    »Donnerwetter! Melitta! Die Kellnerinnen werden immer vornehmer, Sie
gefallen mir übrigens, Melitta - wollen Sie nicht 'n Glas mittrinken? -«
    Das Mädchen blickte fragend auf Hedwig, die sich zurückgelehnt hatte und
finster, beinah drohend zu Adam hinübersah. Der fühlte sich sehr unbehaglich.
Konnte denn die Dame nicht einmal aus sich herausgehen, nicht einmal in einen
lustigeren, leichteren Ton miteinstimmen? Das Leben etwas zwangloser, etwas
kritikloser nehmen? Immer dasselbe gleichsam festgefrorene Abweisungs- und
Entsagungspatos - es wird etwas langweilig auf die Dauer. Jawohl! Es kann sogar
sehr langweilig werden. Wie? Wenn er jetzt neben Emmy säße ... und sein leckeres
Weiblein an diesem köstlichen Goldwein nippte und ihm dabei über den Rand des
Glases hin zublinzelte mit seinen lustigen, lockenden Augen ... so
verführerisch-verheissungsvoll zublinzelte - wie? wäre dass nicht ein süßer,
berauschender Genuss ... eine beseligende Traumstimmung ... ein solider
Augenblick des Glücks, der Illusion ... zwischen Gliedern an der Lebenskette,
die entwaffnet haben und entwaffnen werden, weil sie in nüchterner,
durchschauender Erkenntnis beschlossen sind? In Gesellschaft von Naturen à la
Hedwig warf selbst der goldenste, göttlichste Wein keine bunten, sammtenen
Lichter über das dumme, rohe, rauhbeinige Leben.
    Der Regen prasselte mit derselben trockenen Dreistigkeit immer noch nieder
... und mit den rotgelben Lüstreflammen des Saales coquettirten noch immer die
weissblauen Blitze. Aber der Donner nahm sich schon mehr Zeit ... schien schon
vorwiegend müde geworden zu sein. Er humpelte langsamer hinter den schiessenden
Flammen her ... und sein Poltern klang bedeutend gemütlicher.
    »Na! das scheint ja noch 'mal gnädig ablaufen zu wollen -« meinte Herr
Engler und trat an den Tisch heran, hinter dem Adam und Hedwig saßen. Melitta
entfernte sich, ernstlich gekränkt, wie es schien, einen bösen Blick auf Hedwig
werfend.
    »Ja! .« erwiderte Adam zerstreut ... und schwang sich dann zu der Frage
auf: »Wie lange haben Sie noch auf, Herr Wirt?«
    »Bis halb Drei ... Drei - so genau lässt sich das nicht nehmen. Je nachdem
das Local besetzt ist. Wie Viele kommen nicht erst kurz vor Toresschluss -!«
    »Gewiss! Na! da dürfen wir ja noch 'ne
