, das aber immer weitere Kreise schlägt und
immermehr hinein in den Flutspiegel der realen Welt. So wird man wieder zum
bewussten Kämpfer, wo man vorher nur unfreiwilliger Arbeiter gewesen war. Der,
den sich die Welt unterworfen hatte, hat nun die Welt sich unterworfen. Und die
Zeit ist wahrhaftig dazu angetan, dass man ein Kämpfer in ihr ist! Wie oft habe
ich sie schon packen wollen in ihrem innersten Nerv - diese merkwürdige Zeit -
unsere Zeit! Es gelingt mir nicht. Indizienkrumen sammeln ... Brocken ...
Steinchen ... Steinchen auf Steinchen kleben - das kann ich nicht. Von ihren
großen Strömungen lasse ich mich gar gern ergreifen. Vieles ... zu Vieles darf
... muss hier an uns rühren. Es gilt Mancherlei gutzumachen und noch Mehr
auszugleichen. Die moderne Wissenschaft ist für einen ästetisch ... für einen
künstlerisch veranlagten Geist ein Ungeheuer. Sie fordert stille, dauernde
Arbeit ... ein stetes Bemühtsein ... ein Wachbleiben durch viele einsame Nächte
hindurch und immer erfrischte Geduld. Wo sollen wir da hin mit unserem bis in's
Feinste nüancirten Stimmungsleben ... mit unseren stürmischen Affekten ... mit
den großen und kleinen - mit den ganzen und halben Wünschen unseres Blutes? Und
unser Auge liebt noch viel zu sehr das Sehen nach innen ... und ist noch so
ungeschickt im scharfen Erfassen der Aussendinge, die doch jetzt so sehr alle
Welt beschäftigen und so diktatorisch Respekt verlangen. Wir müssen die klare
Linienwelt der Antike und die verschwommene Flächenwelt der Romantik mit ihren
kosmischen Verallgemeinerungen und ihren radicalen Principien schon hinter uns
lassen ... und müssen uns schon bemühen, mit der nüchternen Korrekteit des
Psychologen den Objecten auf den Leib zu rücken. Das wird uns vorwiegend
ästetisch angelegten Naturen recht ... recht schwer werden - aber das einzige
Heil für uns wird es doch wohl sein. In diesem Sinne müssen wir uns unsere Zeit
analytisch zu unterwerfen suchen. In diesem Sinne müssen wir an ihre großen
Probleme herantreten. Gewaltiges bereitet sich vor ... eine neue Zeit liegt in
den Geburtswehen. Wo sind die unglücklichen Opfer, die jede Übergangsepoche
fordert? Wir sind es, hier sind sie. All' unser Wünschen und Wollen gehört der
Zukunft - wenigstens in unseren besten und größten Stunden - aber unserem Können
gibt Richtung und Ziel so oft nur die ererbte Vergangenheit. In diesem
Zwiespalt werden wir an uns irre, zweifeln ... verzweifeln wir hundert und
tausend Mal ... und kommen schließlich dazu, einen schrankenlosen
Individualismus zu kultiviren, einen Individualismus, der im Grunde doch nur ein
verunglückter, versetzter Sozialismus ist ... der aber zugleich die dumme
Angewohnheit hat, dass er uns
