.« Für gute
Schützen, wie die Hochländer, muss es bei der vortrefflichen Deckung nur ein
Scheibenschiessen gewesen sein.
    Natürlich blieb dieser Jakobitensieg der Weltgeschichte sehr gleichgültig,
die ruhig weiter schreitet und Leute, wie die Stuarts, je ärger sie gegen den
Arm des Schicksals zappeln, um so unerbittlicher über Bord wirft.
    Da haben wir das Tal des Tilt. Dies Flüsschen hat sich einen Namen gemacht
durch seine »untertänige Petition an den Herzog von Atole«. Dieser Nobleman,
der Besitzer von ganz Nord-Pertshire, konnte der Bitte des Genius unmöglich
widerstehen, und so bauten denn die Worte von Robert Burns dem Fluße eine
Brücke.
    Es liegt etwas Anheimelndes in diesen Beziehungen zwischen Land und Dichter.
Keine Literatur scheint so wie die englische, wörtlich verstanden, mit dem Boden
verwachsen. Selbst Lord Byron, der kosmopolitischste der britischen Poeten,
bleibt hiervon nicht ausgeschlossen. Die Berge und die Seeen von Aberdeenshire
und das Schloss seiner Väter Newstead schweben ihm doch vertrauter vor, als die
Inseln seiner Korsaren. Unter den Engländern scheinen die Werke von Dikens ein
förmliches Guide-Boot seiner nur etwas zu groß geratenen Heimatstadt. Aber wer
erreicht gar die beiden Dichterheroen Kaledoniens in Besingung des Vaterlandes?
Kleine Länder haben eben den Vorzug, die Heimatsliebe ungewöhnlich zu erhöhen.
Da ist wirklich kein Fluss und Berg in Schottland, der nicht durch das Wort eines
Dichters dem ganzen Volke intim nahegerückt wäre.
    Der Tilt verdient einen Besinger. Denn einen rebellerischeren kleineren Fluss
kann man sich gar nicht denken. Mit lautem Hurrah kollert er die Waldhöhe
herunter, schießt, als wenn's ihm Spaß machte, über alle möglichen Felsen
Purzelbäume und läuft statt wie ein ehrbarer gediegener Fluss gradaus zu
marschiren mit provozirender Geläufigkeit schief und krumm, bald rechts bald
links, bald Ost bald West. Übrigens scheint das Purzelbaumschiessen ein
Erbfehler dieser ganzen Stromfamilie. Etliche dreißig Bäche und Bächelchen
rennen, sich überstürzend, als wäre ein allgemeiner »Gatering« ausgerufen, oder
rutschen von einer senkrechten Klippe mit Donnergepolter herab, sich unten
sammelnd um ihren Klanhäuptling Tilt. Doch »no more nonsense!« Ernst, düster
ernst wollen wir sein, denn eine Reitpartie durch den Glen Tilt hat wenig
Scherzhaftes. Vor Allem die Führer scheinen davon überzeugt. Nur wenn das Pony
unsers Begleiters die wundersame Neigung entwickelt, nach rechts, wenn er links,
nach rückwärts, wenn er vorwärts will, zu lenken, nebst andern unedlen Spässen
einer edlen Pferdenatur - nur dann zuckt ein zufriedenes Grinsen durch ihre
raubgierigen Geiervisagen - Holla! Da strauchelt mein Pony! Das kommt davon,
wenn Einem verleumderische Gesinnungen gegen die edlen Räuber des Gebirges auf
der Stirn geschrieben stehen. Ich habe wenigstens meinen Führer in Verdacht,
diesen Gertenhieb grade für die Stelle, wo
