, bricht aber bald die vom Geist entfesselte Masse vor.
Durch den früheren Kampf für das Volk gegen Staat und Bourgeoisie erschöpft,
wird plötzlich auch der Geist überwältigt. Anarchie überschwemmt alle Ufer der
Kultur, nachdem die Revolution den Unrat weggespült. Aber der Geist ist nur zu
betäuben, nie zu überwinden. Plötzlich rafft er sich auf und erblickt das
zerbrochene weggeworfene Schwert. Er ergreift es, er schmiedet es neu. Zugleich
richtet er den umgestürzten Geldsack wieder auf, mit Schwert und Geldsack
schlägt er den Übermut des Knüppels nieder, bis auch dieser wieder seinem
Gebot gehorcht.
    Der Geist kann nur durch sich selbst überwunden werden. Seine
Schöpferphantasie verliert den Maßstab für das materielle Bleigewicht der drei
andern Kräfte, die er mit sich schleppt. Die Spitze des Schwertes, nie ruhend in
seiner Hand, stumpft sich endlich ab, biegt sich - man entwindet es ihm wieder
und die alten Träger des Schwertes herrschen aufs neue. So kehrt äußerlich Alles
zum Alten zurück, weil dies als dauernder Zustand naturgemäß, aber die innere
Umformung der Weltbedingungen durch die kurze Herrschaft des Geistes wirkt auf
Jahrhunderte fort. Und wiederum wiederholt sich dann später dasselbe Spiel.
    Die Feder missvergnügter Litteraten aber ist es, die in alle Eiterbeulen
hineinsticht und heilendes Arsenik spritzt in die allgemeine Fäulnis des
Bestehenden. Auf die Heldenfeder der Luther, Milton, Voltaire, Rousseau folgt
die Agitatorfeder der Hutten, Swift und Mirabeau und auf diese die Blutsauger-
und Revolverpresse der Marat, Desmoulins, Chaumette. Mit der verhundertfachten
Macht der Presse steigt natürlich ihre zersetzende Aggressivkraft. Wie aber
könnte die Publizistik diese hohe Aufgabe erfüllen, wenn Gerechtigkeit und
Humanität sie schwächten? Erst in der hohen Schule der rohen Interessenpolitik,
der Charakterlosigkeit, der Bosheit und vor allem des Neides (dieser Spiralfeder
der gesellschaftlichen Entwicklung) wird sie dem Zweck gerecht: Unter dem Druck
der Luftpumpe einer stabilen mechanischen Gesellschaftsordnung für die
menschlichen Leidenschaften ein Sicherheitsventil zu öffnen.
    Denn zwischen der Welt als Ganzes und dem Menschen im Einzelnen besteht ein
wunderbarer, ob auch weise berechneter, Gegensatz. Die Menschen sind nicht
schlecht, wie Misantropen lügen, sondern bei der Mehrheit überwiegt das Gute.
Die menschliche Gesellschaft hingegen ist schlecht durch und durch, weil sie auf
den menschlichen Leidenschaften erbaut. Die gewöhnlichen Durchschnittsgefühle
der Menschen sind gut, jeder Überschwang des Gefühls aber als Leidenschaft
wirkt böse und entpuppt nur die selbstsüchtige Seite der Menschennatur. Die
Durchschnittsgefühle aber sind sämtlich passiv, die Leidenschaften activ und nur
die letzteren setzen sich daher herrisch durch. Auf eine edle Leidenschaft
kommen hundert schlechte. Dies der Grund, warum in dieser besten aller Welten
die Dummheit und die Ungerechtigkeit regiert, obschon die Menschen selbst meist
gutartig. Dies der Grund, warum jeder Ungewöhnliche nur durch wüsten erbitterten
Kampf die Anerkennung
