 verbraucht. Jeder, der »eine Kraft« (une force) ist, wie der
naturwissenschaftliche Zola dies nennt, wird auf den Punkt magnetisch
hingezogen, wo er seine elektrischen Schläge austeilen kann. Und wem eine
solche fruchtbare geologische Lage für seine chemische Kraftmischung sich nicht
von selber unterschiebt, Der ist auch keine Kraft.
    Scheitert jeder Versuch, den Strom der latenten Kraft frei zu machen, so
bescheide man sich in stiller Gelassenheit, statt in nutzlosem Größenwahn den
Rest seiner Kraft zu vergeuden. Für die Welt ist ja der Schade gering. Für jeden
Untergehenden tauchen zehn Neue auf. Aber wohl bleibt es von unberechenbarsten
Folgen und verzögert die Entwickelung der Menschheit, dass die geologischen Lagen
absichtlich verschoben und die chemischen Zusammensetzungen hierdurch verwirrt
werden, indem sie so ihre wahren logischen Lebensbedingungen verlieren. Diesen
Einklang der geologischen Materie, der naturgemässen Aussenverhältnisse, zu der
lebendigen wirkenden Kraft herzustellen, erscheint als die Triebfeder aller
Revolutionen. Eine gewaltige »Kraft« wie Leonhart konnte zwar durch keine
niederwuchtende Dumpfheit der Materie gehindert werden, sich ununterbrochen in
elektrischen Schlägen zu entladen und sich rastlos durch Taten kundzutun. Dass
aber den Sinn und die Bedeutung dieser Geistesemanationen nur so Wenige
begriffen, lag teils in der zu schwächlichen Struktur seiner Materie-Hülle,
welche die innere chemische Mischung oft dem rauen Einfluss der Außenwelt preis
gab, teils aber auch in der unnatürlichen Lage seiner geologischen
Lebensbedingungen. Nicht in ihm steckte Unnatur, sondern grade er war ein
logischer einfacher Naturbegriff, eine schlichte geschlossene Naturkraft.
Unnatur beherrschte nur die Weltmaterie, in einen unorganischen Brei
durcheinandergequirlt. Größenwahn eines mönchisch Cäsarenwahnsinnigen in seinem
Alpenschloss; Größenwahn eines Zitterers an der Newa; Größenwahn des
Gottesgnadendünkels allerorts, der taub und blind wähnt, das monarchische
Prinzip auf den alten vermorschten Grundlagen retten zu können; unglaubliches
Phosphoresziren verfaulten Adelsgerümpels überall - und dagegen der scheussliche
Größenwahn der Anarchie, des Nihilismus, der Socialdemokratie, welche in ihren
Dynamitbomben und Knüppeln die alleinseligmachende Panazee für den kranken
Staatshaushalt gefunden glauben. Tobt euch nur aus, ihr Ich-Sucher, und macht
aus Nichts ein Etwas! Das Ende trägt die Last. Ob sich der Geist des Bösen auf
Erden nun als Fürst oder als Pfaffe vermummt, oder ob er als schnödes
Pöbelregiment im Namen der Freiheit Verbrechen begeht, stets muss er gebändigt
werden. Was Republik, was Monarchie! Das Schlechte muss zu Grunde gehen. Nie
währt das Reich der Dummheit und nur das Vernünftige bleibt bestehen. Wenn der
Einzelne seiner Kraft und Überzeugung gemäß gegen Dummheit und Unrecht
eintritt, so erfüllt er eben löblich sein Menschentum. Aber sobald er
ungeberdig jammert, weil dieser Kampf erfolglos, schädigt er nur sich selber.
Das Weltgesetz, der Logos, hilft sich schon selber durch und schleudert alle
Metternichtigkeiten mit einem Fußtritt
