
Leben, dies Marionettenspiel? Und das All um uns her - ist das fest? Schwanken
nicht seine Grundpfeiler, verschwimmt nicht alles ineinander, ist es am Ende
auch nur eine Vision der getäuschten Sinne, eine Wüstenmirage geblendeter Augen,
eine Wahnvorstellung?
    Wenn aber das Dasein und die Natur unwirklich, - was bin denn ich als Ich
und was ist Gott? In ihm leben, weben und sind wir. Auch nur eine Vorstellung?
Ist er doch überall. Mein Ich und Gott - verschwimmt das auch ineinander?
    Oder sind Natur und Gott ein Gegensatz? Entstand die Welt, indem Gott sich
selbst verlor? Und wenn so Göttliches von Gott abfiel, soll es zu ihm
zurückkehren? Oder stieg aus dunkeln Urtiefen der Gotteskeim selber empor, so
dass Gott nichts ist, als die Spitze und Frucht der Natur?
    Und wie stehen wir selbst zu diesen großen Gewalten? Hängen wir mit Gott
zusammen, so dienen wir nur als niederes Gefäß seiner Gnade. Das heißt dann
Christentum. Wie, ich Mensch, der ich nichts der göttlichen Gnade verdanke?
dessen Gedanke nichts ist, als der Sohn meiner eigenen Arbeit?
    Und der Panteismus löscht mich vollends aus. Da bin ich nur ein ärmlich
Mittel des Naturzwecks. Wie, ich, in meiner stolzen Naturbeherrschung?
    Wohl lehrt mich Darwin, dass ich nur ein Naturprodukt meiner Ahnen.
Gleichviel. Ich bilde fremde Samenkeime mit meinem freien Willen zur neuen
selbstständigen Pflanze aus. Und wäre selbst die Seelenwanderung des
Welträtsels Lösung, so bliebe es doch nur immer dasselbe unteilbare Ingenium,
das sich rastlos im Kreis der Dinge eine Heimstätte sucht.
    So sind wir denn selbst die Ewigkeit? Selbst die göttliche Idee? Der Gott
der Welt ist der menschliche Wille.
    Und wenn es nun ein böser Wille? Das Geheimnis der Prinzipien von Gut und
Bös besteht in ihrer Zusammengehörigkeit. Alles ist Instinkt, Selbstaufopferung
so gut wie krassester Egoismus. Böse ist nur die Nichterfüllung des eigenen
Willens. Der menschliche Genius, der im Kampf mit zahllosen Schwierigkeiten
seine fortzeugenden Werke leistet, scheint an sich viel größer, als die
einmalige Naturschöpfung der allmächtigen Centralkraft.
    Ja, so mag des Menschen berechtigter Größenwahn wohl urteilen. Nichts
erbärmlicher und nichts bewunderungswürdiger, als der Mensch. So dachte gewiss
auch Kain, der erste Haderer wider Jehova. Als er nun aber den Tod in die Welt
gebracht, da sagte ihm dröhnend die innere Stimme: Das ist ein Riss durch die
Natur, das ist Schuld.
    Er wusste bisher nur, dass er war, jetzt erfuhr er, dass er etwas solle - denn
er fühlte, was er nicht solle. Woher? Von wannen kam ihm diese Wissenschaft? Aus
dem Innern? Wer schrieb's dort ein? Er sich selber
