 sich an Hutton's Feuerteorie über Entstehung und
Veränderung der Erde anschlossen, überall wurde den großen Urkräften der Natur
sorgsam nachgestellt. Nur die neptunischen und plutonischen Urkräfte, die im
Geistesleben der Natur, also der Menschheitsgeschichte wirken, blieben verhüllt
wie zuvor. Man vermochte die vulkanischen Kräfte der französischen Revolution
noch immer nicht nach ihrer Gattungsart und ihrer inneren geologischen Lage
genau in ihre Bestandteile aufzulösen.
    Und doch lehrt jene große Auffassung, welche die Unzerstörbarkeit der Kraft
und die Unzerstörbarkeit der Materie zugleich erfasst, welche die geringste
Bewegung des kleinsten Körpers in weitester Ferne als Ursache ewiger Folgen
erkennt, wunderbare Schlüsse auch über die Menschenentwickelung. Ja, die
Erhaltung oder Beharrlichkeit der Materie-Kraft, wie sie Herbert Spencer in
seinen »First principles« bereits in die abstracte Philosophie einführte,
scheint gewiss nur ein größeres allgemeines Vorbild der Geistkraft-Erhaltung, so
dass nichts im Haushalt des Menschendaseins umsonst geschieht und kein Körnchen
von der großen Gesammteit getrennt werden kann, ohne den ganzen Bau zu stören.
Hierdurch wird das Gejammer über jegliches persönliches Leid zur Narrheit, da es
ja zur Gesammtordnung mitgehört, zugleich aber auch die Überhebung jeder Größe
ein eitler Wahn, da alles Existirende in gleichem Masse dem großen Endzweck
dient.
    Der Baum der Erkenntnis ist nicht der des Lebens, wohl wahr, wenn man das
törichte Sinnenleben im Kampf ums Dasein meint. Wohl aber pflückt man von
diesem Baume eine süße Frucht, welche gottähnlich macht und doch gerade durch
diese gottähnliche Milde jeden Größenwahn für immer zerstört.
    Denn das eigentliche innere Wesen des Grössenwahns ist die Selbstsucht, eine
tollgewordene Selbstsucht, die mit einer Art Farbenblindheit nichts sieht als
sich selbst und mit neidischem Hass alles verfolgt, was außer ihr selber
existiert. Diese Neidwut zähmt sie nur dann, falls irgend ein augenblicklicher
Vorteil von dem andern Object zu erwarten scheint. Ein Größenwahn, der für
Verdienste außer ihm überhaupt noch ein Auge hat, verliert schon seinen
eigentlichen Charakter. Selbstbewusstsein und Größenwahn, sind gar verschiedene
Dinge.
    In den Augen der modernsten Wissenschaft bleibt vom Menschentum nur übrig -
ein boshafter Affe. Das ist falsch. Es gibt viele schlechte Kerle, deren
Lebensgenuss im Bösen besteht, wäre es auch nur im bösen Maul, das jedes Edle und
Große zu ihrem eigenen Niveau herabzerrt. Allein, es mangelt auch nicht an
gutartigen Naturen, deren Egoismus, diese natürliche Spiralfeder aller Dinge,
sich liebevoll sänftigt und allem Lebenden freundlich gegenüber tritt. Traurig
genug, dass die klare Erkenntnis, nur Selbstlosigkeit bedinge das wahre Glück,
den dämonischen Trieb zur Selbstsucht auch beim Weisesten und Besten nicht zu
brechen vermag.
    Häufig kann die gemütloseste Streberei und wütendste Eitelkeit
entschuldigt werden durch die unglücklichen Verhältnisse eines von der Natur
stiefmütterlich Behandelten oder von den Menschen Misshandelten, dessen Energie
sich an
