 und Ricardo sie später ausbauten. Dann kamen Hume's Theorien
von der Ideenassoziation und vom Kausalnexus und von der Nützlichkeit als
einzigem Grundpfeiler der Moral. Diese genialen Geister verachteten jedoch die
bloß compilatorische nüchterne Tatsachenanhäufung als Grundlage, sie misstrauten
der Statistik und hielten die Ideen für so viel wichtiger als Tatsachen, dass
erst Ideen vorangehen müssten, ehe man überhaupt die Tatsachen beobachte. Reid
und Black wandelten fort auf ähnlichen Gleisen, wie denn später Watt die
Dampfmaschine nicht aus Tatsachen-Experimenten, sondern aus der Spekulation
über Black's Gesetz von der latenten Wärme, angewandt auf die Verbindung von
Luft und Wasser, also aus einer Idee heraus erfand.
    Graf Xaver Krastinik, dies Enfant terrible seiner umliegenden Dörfer und
Standesgenossen, schloss sich völlig von der Welt ab und studierte ununterbrochen.
Mutig hieb er sich lichte Bahn durch das Dickicht seiner Unwissenheit.
    So drang er denn allmählich in das ganze Geheimnis der inductiven Methode
ein, welche auch das Kunstprinzip des Realismus leitet.
    Hier lernte er jene Deklamationen einer deductiven Weltanschauung verachten,
von welcher im Grunde alles äußerliche Scheintreiben der Menschheit bestimmt
wird. Angenommene Voraussetzungen als höchste Prinzipien aufstellen und
dialektisch verfechten - darin besteht das wahre System des hohlen gedankenlosen
Weltgetriebes. Ob der Metaphysiker oder der Zeitungsjournalist, der Pfaffe oder
der Soldat, - jeder wählt sich ein beliebiges traditionell überkommenes Prinzip
und argumentirt daraufhin sein Lebenlang, ohne dessen Gehalt zu prüfen. Der
teologische Gott, Staat, Autorität, Ehre, Freiheit, - alle solche Begriffe
werden zu unnützen Kinderklappern, mit denen die törichte Menge ihr Gehirn
betäubt.
    Indem er mit verzweifelter Kraftanstrengung sich der Lektüre philosophischer
Naturwissenschaften ergab, durch Chemie, allgemeine Physik und Physiologie
langsam zu den Ergebnissen der neusten Epoche unter Liebig, Darwin, Helmholtz,
Dubois-Reimond vorrückte, begann sein spekulativer Geist, der nie
dichterisch-gestaltend, sondern didaktisch seine Anschauungen vollzog,
allgemeine Schlüsse aus nüchternen Tatsachen zu ziehen. Die Theorie des
Kraftwechsels und die zunehmende Darlegung der Tatsache, dass überhaupt nichts
unregelmäßig, gestört oder dem Naturgesetz zuwider sei, beruhigte ihn über die
scheinbare Wirrung und unlogische Ungerechtigkeit menschlicher Schicksale. Die
Theorie des großen Patologen Hunter, betreffend die innere Balance des
Mitgefühls zur Tätigkeit, eröffnete dem einsamen Wahrheitsucher seltsame
Schlüsse, worunter der vornehmste: dass Passivität weder der Menschennatur
entspreche noch zur Tugend werden könne, da nur Tätigkeit das Mitgefühl
fördert.
    Damit fiel sein Wunsch, sich einsam »einzubuddeln« über den Haufen. Selbst
das heilige Licht, das uns Lebensbedingung, ist ja Bewegung. Wärme ist Licht in
Ruhe, Licht ist Wärme in reissender Bewegung. So ist Genie vielleicht nur eine
Metamorphose der stillen vorbereiteten Wärme seiner Zeitumgebung.
    Ob nun die deutschen Geologen wie Buch und Humboldt sich an Werner's
Wasserteorie oder die Briten
