. Daraus folgt dann der überraschende Schluss:
Die Eindrücke der Außenwelt auf uns verursachen nicht die Geistestätigkeit,
sondern die Eindrücke selber sind diese Geistestätigkeit.
    Dies sind die Lehren, welche einerseits zur Befreiung der Menschheit von
verrotteten Missbräuchen, andrerseits zur rohen Entfesselung der Materie trieben.
Die völlige Unterordnung der sogenannten Innenwelt unter die Außenwelt drängte
zur ausschliesslichen Vergötterung der Natur, also zum Studium und zur alleinigen
Herrschaft der Naturwissenschaften. Nicht das Wahre, Gute und Schöne suchte man
zu erforschen, sondern Wärme, Licht und Electricität. Diese heilige
Dreieinigkeit erschien als der neue Gott begriff, zu dem man betete. Die Gesetze
der Strahlung, der Wärmeleitung, der doppelten Brechung, der Polarität des
Lichtes, die Undulationsteorie, wurden gefunden. Diese Entdeckungen über
unsichtbare Teile der Natur blieben freilich bis heute in gewissem Sinne
unvollkommen. Denn das Geheimnis scheint schwer zu lösen, ob dieselben eine
materielle Existenz haben oder ob sie bloß Zustände andrer Körper sind. Die
Verbindung von Kraft und Materie, welche anfangs der dynamischen Theorie von
Leibnitz im Weg zu stehen schien, schließt an sich die Existenz einer Materie
ohne kräftegebende Eigenschaften aus. Hier zeigt sich allerdings die
Unmöglichkeit, dass die Struktur des menschlichen Gehirnorganismus ausreicht, um
solche immateriellen Begriffe zu begreifen. Hier steht er gleichsam einer
Innenwelt der Außenwelt gegenüber. Unerschrocken warf sich daher der
französische Geist nunmehr auf die greifbaren Teile der Natur. Die Chemie
experimentirte sich neue Gesetze zurecht, welche die Eigenschaften der Natur
beherrschen, durch das Studium der molecularen Zusammensetzung der Atome.
    Auch über diesen wichtigsten Zweig moderner Wissenschaft suchte sich
Krastinik zu belehren, wo er über Lavoisier, den Gründer der wahren Chemie,
Aufschlüsse fand - betreffs der Oxydation der Körper und ihrer Verbrennung,
sowie der Function der Nahrungsmittel -, welche ihn zu dem heutigen Stand der
Chemie - betreffs der Verbindung chemischer und elektrischer Gesetze -
hinüberleiteten.
    Damals gewann auch die Geologie ihren ungeheuren Aufschwung, die
Wissenschaft der örtlichen Gesetze, der terrestrischen Einrichtung der Massen.
Buffon entnahm aus Anregungen von Leibnitz und Descartes die Vorstellung von der
Centralhitze, welche schon die Pytagoräer und Zoroaster geehrt. Dann kamen eine
Reihe von Geologen, welche den Begriff des allgemeinen Wechsels auf der
Erdoberfläche dartaten, jenen ewigen Fluss der Dinge, von welchem schon
Herakleitos der Dunkle sprach. Jetzt begann man die organischen Überbleibsel zu
studieren. Man erkannte den Zusammenhang der Existenz der fossilen Tiere mit den
Medien, in welchen sie gefunden wurden. Der große Cuvier verband die Forschung
über die unorganischen Veränderungen der Erdoberfläche mit derjenigen über die
organische Veränderung der Tiere, die auf dieser Oberfläche gelebt. Die
Deutschen hatten die primären (Gneis), die Engländer die secundären Formationen
untersucht, die Franzosen entdeckten die tertiären Strata, in welchen man
bereits Säugetiere, die dem gegenwärtigen Zustande
