 dauert's und Todesruhe drückt ihr bleiches Siegel auf
Deine fiebernde Stirn.
    Schein ist alles Wesen und stumm verlacht uns das Schicksal. Drum trage auch
Du in starrem Schweigen das ewige Einerlei. Schweig und stirb! Halte den Mund
und arbeite! »Fähnrich, wenn Er stirbt, so sterbe Er ruhig!«
    Wenn Du also denkst, dann werden alle Winde, alle Wellen Dich grüßen, die
Dich einst als Jüngling mit frommem Schauer durchwogt, und brüderliche Sterne
erhellen Dir das alte Märchenland der Sehnsucht.
    Unser Leben ist selbst nur ein Sinnbild des Welträtsels, das sich langsam
aus chaotischem Urschlamm der Sinneserregungen zum hellen Bewusstsein aufringt.
Drum, Dichterherold, streue Deine Verse wie Samenkörner, die der Wind in weite
ungeahnte Fernen führt! Die Ernte feiern wir drüben, wenn nicht hier. Drum
dresche weiter!
    Und siehst Du auch keinen Spiegel Deiner Strahlen, entzünde stets aufs neu
der Weisheit Lampe! So lange ein Acker bleibt, ziehe breit und fest des
Fortschritts Furche mit brennender Pflugschar!
    - - Aber wenn man nun kein Dichter ist, kein Denker, kein Seher, und dennoch
dasselbe Gefühl des Ewigen in sich trägt, ohne ihm artikulirte Laute zu leihen,
was dann? Verfehltes Leben!
    Das Schwanken des Lebensschiffes endet nie und die Seekrankheit des
Pessimismus hebt immer von neuem an. Nur der sturmgehärtete Seemann schwingt
sich furchtlos in den gefährlichen Raaen. Nur eine eigentümliche Hoheit der
Willenskraft, nämlich ideale Kampflust, macht furchtlos und fest, wie die
feiende Feder des Simurgh den Rustem vor jeder Fährniss schützt.
    Gewann er denn nicht lange schon die Einsicht, dass künstlerische Tätigkeit
für Höherdenkende ein entehrender Humbug und nur für technische Kunstandwerker
erfreulich sei? Im Wirken solcher Art Befriedigung suchen, das lag ja heut lange
hinter ihm. Ihm däuchte, sein kurzes Herumplätschern im literarischen Sumpf sei
wohl nur ein wüster Traum gewesen. Was für ein Gackern und Schnattern und
Trutahn-Kollern, mein Gott!
    Auch gegen Leonhart wurde er jetzt ungerecht durch natürliche Reaction,
während »dem großen Toten« immer noch Weihrauchdämpfe aus den Spalten aller
bedruckten öffentlichen Meinung nachqualmten. Es gibt eine stürmische
Vergötterungsmanie selbstsüchtiger Jüngerschaft, die an Petrus' Zweifelzorn
darüber erinnert, dass Christus sich nicht der Kanaille mit Donner und Blitz
entülle! Solche Jünger und Jüngerinnen transfiguriren sich ihren Meister so
zurecht, bis sie vor lauter selbstloser Bewunderung recht selbstsüchtig
raisonniren, sobald der Meister mal nicht den Anforderungen ihrer schrankenlosen
Begeisterung genügt. Dem Bedürfnis der Jünger gehorsam, muss er immer auf dem
Quivive stehen, um beliebige Messiastaten zu verrichten. »Und der König absolut,
wenn er uns den Willen tut.« Gott schütze ihn vor seinen Freunden, mit seinen
Feinden wird er schon selber fertig.
    Drum sah jetzt Krastinik, nachdem ihm
