 Ohnmacht tat.
Der Stümper bunte Jahrmarktsschilderein
Sind blindem Unverstand ein Heiligenschrein.
Der Tod jedoch gräbt aller Lüge Grab
Und alle Schminke reißt er jählings ab.
Der Mensch und jede Fälscherkunst vergeht.
Das Werk alleine und die Kunst besteht.
Die Schlachtendonner habt Ihr wohl gehört
Von Königgrätz, von Sedan und von Wört.
Den Donner aber hören werd' ich nicht,
Der Euren Größenwahn in Stücke bricht.
    Diese Menschen machen alle aus mir, was sie wollen. Die Schufte sehen in mir
einen Schuft wie sie selber, die Ideologen in mir einen Ideologen. - Sei nie
deiner Brüder Tyrann, aber auch nie ihr Narr! Ich aber bin zugleich ihr Tyrann
und ihr Sklave, und oft ihr Hausnarr. Seltsames Rätsel!
    Kein Wörtchen wird heut so üppig missbraucht wie das Epiteton »vornehm«. Man
redet ja am liebsten von dem, was man nicht ist und hat.
    »Ein vornehmer Charakter!« »Wie vornehm diese Kritik gehalten ist!« Derlei
übersetzt man aus dem Literarischen ins ehrliche Deutsch: »Ein geriebener
Virtuose der Lebensklugheit!« »Ein schlaues Pröbchen händewaschender
Interessenpolitik, die ihre Motive sorgfältig verschleiert!«
    Wie ich von Herzen bedaure, dass ich in meinem berechtigten Grimm dem
einzigen Wahlverwandten, den ich jemals fand, Karl Schmoller, so harte Dinge
sagen musste! Und waren sie denn wirklich ganz gerecht? Soll man sich wundern,
dass ein so bedeutender Mensch in ewiger Wut gegen alles Bestehende sich
verzehrt? Drückt ihn nicht wirklich die Not, die grause Not des Lebens?
Freilich merkt man ja nichts davon, denn er selber befindet sich äußerlich
kreuzfidel. Doch wer kann ins Innere eines Menschen und hinter die Kulissen
schauen! Und im Grunde - leidet er nicht einfach an derselben Krankheit, die
auch mich vergiftet? Wenn mich meine höhere Bildung in Sphären erhebt, wo die
Gemeinheit des Lebens mich nicht mehr erreichen kann, so wäre es unbillig, von
ihm das Gleiche zu fordern. Er sieht sich nur als Urkrast in einen Knäuel
niedriger und widriger Verhältnisse verstrickt, sieht um sich her die Büberei
triumphiren und wird zerrieben im Kampf mit den schmutzigen Sorgen des
Alltagslebens. Es ist wahr, über die Menschen hat er sich wahrlich nicht zu
beklagen. Jeder suchte sich ihm dienstbereit zu zeigen, Jeder bewies ihm
äußerste Geduld und nur seine empörende Brutalität verschuldete es, wenn man ihn
fallen ließ. Seine Natur zwingt ihn förmlich, Jeden vor den Kopf zu stoßen und
überall Unfrieden zu stiften. Er ist ein Sprengstoff, dessen Nähe man flieht.
Doch wie erklärt sich alles das aus den Verhältnissen! Muss es diesen Menschen
nicht rasend machen, wenn dummdreiste Unfähigkeit über ihn wegtrampelt, wenn man
nur an den Schlacken seiner formellen Unbehülflichkeit haften bleibt, statt in
