 dann mache ich mich schleunig aus dem Staube oder halte
meine Taschen zu. Gott, wie sie doch alle das Selbstbelügen verstehen! Und ich
armer Hülfloser, der ich nie meine Gesinnung verstecken kann, nicht mal vor mir
selber!
    Ich freue mich immer, wenn ich mit Offizieren zusammentreffen. Hier herrscht
wenigstens Disziplin, Unterordnung unter den höheren Rang, Aufgehen in das
Ganze. Hier steckt eine greifbare Realität. Diese Kunst-Proletarier und
Geist-Handwerker sind hohle Schemen, Blasebälge, Etiketten von leeren Flaschen.
Diese Kerle würden ihren Vater todtschlagen und ihre Mutter verkaufen, wenn sie
ihren nimmersatten Ehrgeiz damit stopfen könnten. Sie leiden an einer Art
Auszehrung selbstverzehrenden Grössenwahns. Sie zehren gleichsam von ihrem lieben
Ich und nagen sich selbst das geistige Fleisch von den Knochen. Redet man von
Dingen, die grade nicht ihr persönliches Interesse tangiren, so geraten sie in
Geistesabwesenheit und pfeifen »Ach du lieber Augustin, alles ist weg.« Ein
ewiges Fieber wahnsinniger Vordrängungs-Gier jagt sie hin und her. Diese
Umwechsler geistiger Münzen spekuliren andauernd nach dem Kourszettel der
Erfolgbörse auf Hausse und Baisse. Viele dieser literarischen oder
künstlerischen Börsianer müssten lebenslänglich Zuchthaus erhalten wegen
geistiger Urkundenfälschung und wegen falschem Zeugnis, als besoldete
Denuncianten und Meineidbeschwörer des kritischen Areopags, sei es nun als
Alexandrinische Kunstgelehrte und Kultusministerialräte oder als
»Knüngel«-Verschwörer der akademischen Strebercliquen untereinander oder als
»vornehme« Pressbanditen und Fälscher der öffentlichen Meinung oder als
Hofteaterintendanten-Excellenzen und Nicht-Excellenzen, und was des Gesindels
mehr ist.
    Aus ihrem Munde geht nichts als Lüge, wie jedes Wort aus des persischen
Satans Eblis Rachen sich zu Pestauch verwandelte. Phrasen, nichts als Phrasen.
Humbug und kein Ende. Und ich selber? Bin ich denn besser? Ich Memme, der ich
mich mit ihnen an einen Tisch setze, weil sie dann wenigstens nicht klatschen
und schimpfen können, und mich dann regelmäßig ärgere über den vergeudeten
Abend? Ja, ich selber tauge den Teufel nichts.
    O dürft' ich rufen mit Koriolan, ein Selbstverbannter:
»Ihr Hundeseelen, deren Hauch ich hasse
Wie unbegrabener Männer todtes Aas,
Das mir die Luft verseucht - ich banne euch.«
    O dürft' ich fliehen von den Ufern dieser Pauke, welche ein ewiger Regen in
zahllose schmutzige Wasserringe zerschneidet, aus Gestade der Brenta! O dürfte,
Tauben von San Marko, sich aufschwingen in eure Reihen meiner Seele fromme Taube
und mit euch kosen in heiterem Spiele auf der Vorzeit Grabdenkmal, ihr Tauben von
San Marko! - O Vorzeit, o vielverkanntes Mittelalter, das der jüdische
Aufkläricht uns wegsudeln möchte! Ihr hattet kleine Mittel und große Ziele, wir
haben große Mittel und kleine Ziele, Mittel schaffen noch keinen Zweck, aber der
Zweck schafft sich
