 Hosianna seiner Bewunderer wie das
Gekläff seiner Neider. War er nur der Christoph Marlowe eines neuen Shakespeare?
War er der Riese Christoph, der das Jesuskind über die wilden Wasser trägt? Oder
war er selbst dieser Messias der Poesie? Er wusste es nicht. Auch grübelte er nie
darüber und fühlte sich stets bereit, das Knie zu beugen vor dem Dichter der
Zeit, der da kommen sollte, wie die Zeichen künden. Fern dem neidischen
Größenwahn wie der falschen Demut, wie es der wahren Größe geziemt, brandmarkte
er nur den Wahn der Windmacher. Denn in diesen prahlenden neidgrünen
Schwächlingen erkannte er grade die echten Kinder unsrer reklamesüchtigen Aera,
ob sie auch selbst über ihr Jahrhundert erröteten, wie ihr Jahrhundert über
sie. All diesen Statisten, die statt »die Pferde sind gesattelt« sich selbst als
Heldenspieler meldeten fürs erste Rollenfach, erteilte er oft den
wohlverdienten Fußtritt seines vernichtenden Sarkasmus.
    Selten war die Lächerlichkeit, welche unbewusst aller Lüge und Gemeinheit
anhaftet, mit so sicherer kühner Hand in derben Strichen conterfeit. Wie der
Ritter mit der eisernen Hand, knackte dieser ins Moralische übersetzte Pietro
Aretino abschreckende Kopfnüsse hinter den feuchten Ohren seiner Verfolger und
verpuffte sterbend all seinen Grimm, wie Götz in beherztem Aufatmen aus voller
Brust: »Freiheit, Freiheit, himmlische Luft!«
    Man sah Schritt für Schritt den Morast der literarischen Misère über dem
Haupt des Unglücklichen zusammenbrechen. Man sah seine Dramen vergeblich an die
Pforte aller Theater klopfen, wie seinerzeit die Opern Wagners. Infamie und kein
Ende. Da schimpfte die »vornehme« Kritik über Teaterleiter und Publikum, welche
allein der Fluch Apolls ob dem Untergang des Dramas treffe. Und die Presse etwa
nicht? Man forscht umsonst begierig, was denn sie beitrage zur Förderung
verkannter Dichter. Wer zu stolz ist und zu hoch steht, um jenen »vornehmen«
Geistern schmeichelnd um den Bart zu gehen, wird von ihnen nach wie vor
todtgeschwiegen. Man sah, wie der edle Dichter umsonst nach Jemandem suchte, der
selbstlos für Andere eintrat. Nur Einer schien davon ausgenommen, der aber
durfte mit Heine singen: »Schade, dass ich ihn nicht küssen kann, denn ich selbst
bin dieser brave Mann.«
    Jenes Gewirr von platter Bosheit, bübischer Dummheit und neidzerfressenem
Größenwahn, das sich »litterarisches Leben« nennt, wurde hier einmal erschöpfend
blosgelegt. Jeden Augenblick hörte man den Dichter heimlich die ironische
Liebesbotschaft nach allen Richtungen der Windrose versenden: »Ich weiß alles.«
Das genügt. - Da schwatzte dies Völkchen von »Größenwahn«, wenn tiefbeleidigtes
Gerechtigkeitsgefühl sich gegen schnöde Verkennung und den eitelen Wahn der
Modefexen empörte. Hier mochten die Worte der Schrift gelten: Sie haben Ohren,
um zu hören, und hören nicht; sie haben Augen
