 venetianische Drama Die Meeresbraut. Ich erkläre nunmehr hiermit
laut und feierlich: Dieses Stück, mit Ausnahme einiger scenischer Einfälle,
gehört mit Stumpf und Stiel, mit Haut und Haar, in Idee und Ausführung,
ausschließlich; meinem toten Freunde Friedrich Leonhart. Sind die Herrn Neider
und Nörgeler, diese Schurken, die den großen Dichter in jenen Anfall von
Geistesstörung des Verfolgungswahns hineintrieben, - ist die Verschwörung von
Schurken und Dummköpfen nun vielleicht endlich zufrieden?! Ich weiß recht wohl,
dass in ihrer Wut, sich so getäuscht zu sehen, die verbündeten, aber nicht
vereidigten Makler nun über mich herfallen werden. Der Verstorbene hatte mein
Wort, bis zu einer gewissen Frist den wahren Namen des Dichters zu verschweigen
und den unverdienten Ruhm auf meine Achsel zu nehmen. Diese Frist ist jetzt
erloschen. Auch hätte ich meines Wortes mich entbunden erachten können, nach
jenem traurigen Ereignis. Ich gestehe daher mit einem demütigenden Gefühl der
Scham, dass ich vor diesem notwendigen Schritt mich ängstete. So sehr hat auch
das Beisammenleben mit den grössenwahnsinnigen Erfolgjägern Berlins mein Gefühl
für Pflicht und Ehre abgestumpft, dass es mir schwer ankam, auf solche unsauber
erworbene Eitelkeitsmedaille zu verzichten.
    Warum überhaupt diese Täuschung der Welt von mir und dem Verstorbenen
versucht wurde, fragt wohl nur ein ganz naiver Bruchteil des Publikums. Damit
man es aber einmal Schwarz auf Weiß lese, so will ich es mit dürren Worten
aussprechen. Nie wäre ein Drama meines verstorbenen Freundes, und wäre es noch
zehnmal besser, je auf einer deutschen Streberbühne zur Aufführung gelangt, nie!
Er konnte nicht dem Direktor ein Ordensbändchen verschaffen, der Frau des
Regisseurs die Kour schneiden, mit dem Schauspielerpack Brüderschaft trinken.
Ich aber, löbliche Redaction, heiße Graf Xaver Krastinik und bin daher befugt,
selbst meinen greulichsten Schund an sämtlichen Hofbühnen anzubringen. Da
Leonhart tausend Feinde und keinen einflussreichen Freund (nicht mal dem
Theater-Portier konnte er ein erhebliches Trinkgeld zu Füßen legen) besaß, so
war ich also der unmassgeblichen Meinung, dass er nur durch diese geschickte
Vermummung zum Ziel gelangen könne. Im Einverständnis mit dem großen Dichter
führte ich die Sache denn durch und der Erfolg bestätigte, wie gründlich wir
Beide die Verlegenheit der Welt durchschaut hatten.
    Ein Herr Nordau hat gegen Konventionelle Lügen der Culturmenschheit
gedonnert. Auch das ist aber nur eine Lüge. Culturmenschheit, eine Humbugphrase
wie so viele. Die ganze Welt ist nur eine einzige Lüge und bei dem Worte
Idealismus lachen die Auguren. Ein schöner Kellner hat mehr Aussicht auf Erfolg
in der Welt als ein linkisches Genie, und nicht wer am besten dichtet, sondern
wer am besten strebert oder dem Tagesbedürfniss schmeichelt, gilt heut als
grausser Mann. Ein solcher Gewaltiger vor dem Herrn konnte Leonhart nimmer werden
und so hatte er
