 Genius
aller Zeiten in einem Atem zu nennen mit dem Akademiker Ben Jonson und den
adligen Teatralikern Beaumont-Fletcher, ja sogar mit Eintagsfliegen wie
Chapman, Dekker und Haywood, die heut kaum der Literarhistoriker beachtet!
»Schließlich, doch ohne ihn durch diese letzte Nennung beleidigen zu wollen«
nennt der gute Mann als seinen Vorläufer auch noch den gottähnlichen
Ewigkeitsmenschen. Eine Posse von tiefbedeutsamer Mahnung. Jaja, Gegengewicht
muss sein; gegen drohendes Übergewicht imaginäre Werte ausspielen - vive
l'Egalité!
    Und hier bei diesem Fall, wo durch die überwältigende zerschmetternde Ironie
des Zufalls einmal die plumpe Gehässigkeit der Beschränktheit offenbar werden
konnte, wo die Aufdeckung der Wahrheit - - Krastinik schauderte in sich
zusammen. Er presste die Hände vors Gesicht, wie um die Welt nicht zu sehen oder
vielmehr sich vor ihr zu verstecken.
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    Wahrhaft hochherzig und von dem sittlichen Patos der Wahrheit durchdröhnt,
klang der Nekrolog, welchen Hans Holbach seinem Freunde in der »Berliner
Tagesstimme« zu widmen wagte. Mochte im Leben diese Freundschaft nur eine
äußerliche Schauspielerei gewesen sein, mochte der tiefe Zwiespalt beider
Naturen sie einander innerlich entfremdet haben, - der Tod gleicht alle
Gegensätze aus. Jetzt balancirte Holbach nicht mehr, dem Vorteil der
Weltberechnung gehorchend - der Tod veredelt. Und so tönte die Stimme seiner
eigentlichen chevaleresken Natur, seines warmen und gütigen Herzens, aus den
Worten:
    »Unter dein vielen Erbärmlichen des Weltgetriebes gibt es ein
Erbärmlichstes: den Schriftstellerneid . Diesem zumeist fiel Leonhart zum Opfer,
während er neidlos alles Tüchtige anerkannte. Nachdem sie sein Genie von allen
Seiten benörgelt (hier erwarben sich viele Moralprediger ein besonderes
Verdienst, ihm, dem wirklich Moralischen gegenüber), begannen seine Kollegen
auch seinen Charakter in den Staub zu ziehen, indem sie seine Handlungen
entstellten, seine Motive unlauter verdrehten, seine Ausschreitungen
übertrieben. Nun lehrt zwar ein Blick aus die ungeheure Produktivität des jungen
Dichters, dass er lediglich seinen idealen Zielen gelebt haben könne und daher
alle Sagen über sein sonstiges Verhalten ins Reich der Myte gehören. Wären aber
seine Fehler so offenkundig wie die Erhabenheit seiner Dichtungen - wer wäre
berufen, darüber zu richten? Doch gegen diese Art giftspritzender Hinterlist
bleibt der Edelste und der Stärkste ohnmächtig. Forschen wir aber nach den
Gründen dieser Niedertracht, so finden wir überall den gleichen: den Neid der
Impotenz gegen das Genie, den Größenwahn der Kleinen gegenüber der wahren Größe.
Verzeiht doch die kleinliche Selbstsucht der Mittelmässigkeit nie die berechtigte
Selbstsucht des Berufenen, weil ihre jämmerliche Eitelkeit sich verletzt fühlt!
dabei bedenke man, dass dieser Ewigkeitsmensch keineswegs etwa wie Byron den
weltlichen Rang eines Lords trug,
