 hinweg, die Deinen Pfad Dir sperren!
Du bangst, weil fahler Neid die Messer wetzt?
Furchtlos voran! Ich mach' Dich doch zum Herren
Und trete nieder, was sich widersetzt!
Was half Dir Deine königliche Güte,
Mit Dreistigkeit von jedem Wicht belohnt?
Lass nur Verachtung reifen im Gemüte,
Den Hass, der keine Nichtigkeit verschont!
Wo Du vertrautest, wurdest Du verraten,
Und wo Du Edles wähntest, war's ein Traum.
Für ihre schamlos schnöden Missetaten
Verschlinge sie in Deiner Brandung Schaum!
Schmied' allen Hass in einen Blitz zusammen
Und brülle nieder sie mit Deinem Fluch!
Brenn' sie zu Spreu in Deines Hohnes Flammen!«
Sieh her, Jehova, kennst Du dieses Buch?
    Wäre dies Buch, das in den Annalen der Literatur seines Gleichen suchte,
bei Lebzeiten Leonharts erschienen, so hätte es seinen Untergang beschleunigt
oder direkt herbeigeführt. Törichte Schwätzer hätten sich an das mutmasslich
Persönliche geheftet, ja vor allem liebevoll nach den angeblichen Modellen der
Figuren geforscht und ein Bouquet von allerlei Persönlichkeiten
zusammengestellt, um etwaige Beleidigungsklagen zu formuliren. Man muss den
Leuten stets ihr Vergnügen gönnen. Niemand hätte die Grossartigkeit des Typischen
in all diesen scheinbar photographirten Einzelheiten erkannt, Niemand begriffen,
dass ein so hoch über den Dingen und Menschen stehender Geist das Recht in sich
selber trägt, seine eigene Welt nach seinem künstlerischen Willen zu gestalten.
In der trostlosen Armseligkeit jener nüchternen Prosa, die nur mit den
Rechenpfennigen der Alltagsmoral handelt, wäre Niemandem auch nur in den Sinn
gekommen, die tiefe erhabene Gerechtigkeit dieser Heldenseele zu verstehen. Wer
hätte gewürdigt, dass man es hier mit einer Dichtung zu tun habe, welche
gänzlich außerhalb aller gewöhnlichen Alltagsbegriffe von Menschen und Dingen
stand! Dies war der Realismus einer Wahrheit, hoch über der handgreiflichen
Wahrheit der beweisbaren Realität. Allein, mit dem adlermässigen Sonnenflug
dieses byronischen Geistes verband sich hier eine ätzende Satire, deren Bosheit
den wahnsinnigen Gallenergüssen Swifts ähnelte. Die juvenalische Ader Leonharts
blutete sich aus, bis sein Geist an einer Art Auszehrung von Menschenverachtung,
wie an einem Blutverlust jeder Lebenslust, zu versiegen schien.
    Welch ein namenlos unglückliches Leben öffnete sich in diesen Blättern, die
von Herzblut zu triefen und sich wie klaffende Wunden zu öffnen schienen!
Unseliger Mensch! Ihm war das Leben ein graues ödes Meer, über dem nur das
Wetterleuchten seines Grimms emporzuckte. Überall unterbrach ein grelles
Auflachen das metodische Hämmern dieser zermalmenden zerhackenden Maschine
eines rastlosen Denkens. Die »saeva indignatio«, welche Swifts Herz nach dessen
Ausspruch zerfleischte, schmeckte man auch hier. Schonungslos auch gegen sich
selbst, zerpflückte der Dichter unerbittlich seine eigenen Gefühle. Ein
unerbittlicher Wahrheitsdrang, ein verzweifeltes Drauflosstürmen gegen jede
conventionelle Lüge, raste sich hier berserkerhaft aus.
    Rücksichtslos waren die Gesetze
