 mir Netze stellen, Gruben, Schlingen -
Einst pack' ich Euch, und wen erst packt der Leu -
Ja, unerbittlich will ich sie vollbringen
Die Rachepflicht, dem Schwure bleib ich treu.«
»Du Stadt der Krämer und der seichten Possen,
Ich schwör's bei der Semiten Gott, dem Bal:
Einst kommt er wie der Blitz herabgeschossen
Und reinigt Dich - der Schwur des Hannibal.«
    Das Buch fiel wie eine Bombe mitten in das Leben der Zeit hinein. Es
sprengte gleichsam, vom Dach bis zum Erdgeschoss durchschlagend, alle Quadern und
Mauern des Wahns auseinander.
    Als Form war die dramatische gewählt, die einzige, welche Leonharts
innerstem Wesen gemäß. Die Entwickelung der Tragik aus den Tiefen des
menschlichen Willens, zwischen Bewusstem und Unbewusstem schwankend, in
ununterbrochen schnurgerader Linie psychologischer Folgerichtigkeit, in
dramatische Gestaltung umgegossen - dies war sein Ziel. Die geschlossene
Komposition des gewöhnlichen Bühnendramas konnte ihm daher nicht genügen, da
seine umfassende Anschauung über den zwerghaften Rahmen der landläufigen
Kunstgesetze hinauswuchs.
    Aber überall nahm der philosophische Gedanke bei ihm warmen Erdkörper an.
    Die Dichtung fusste auf rein realistischem Untergrund, stellte sich jedoch
selbst allegorisch dar. Der Held war ein moderner Faust. Wie Jener als Magister
an der Wissenschaft verzweifelt, so dieser an seinem elenden Beruf der
berufsmässigen Federfuchserei. Absichtlich hatte der Dichter seinen Helden in
alle und jede Erbärmlichkeit des modernen Litteratenlebens eingetaucht, ihm auch
das Kleinlichste nicht erspart. Und was das Unerhörteste dabei, der Held trug
Leonharts Züge unverkennbar, nur mit tausend willkührlichen Zusätzen.
    Die Anschauungen der modernen Naturwissenschaft lagen überall zu Grunde,
waren aber nie aufdringlich breitgetreten. Nirgends fand sich die poetische,
Licenz der Zufall-Anwendung, nirgend drückte sich der Dichter bei den schwersten
Teilen der psychologischen Entwickelung mit ängstlichem Salto Mortale vorbei,
wie die anderen Sonntagsreiter. Der Kampf mit den Naturtrieben trat überall in
seiner plumpen nackten Roheit und Poesielosigkeit entgegen.
    Überall entpuppte sich die hinter dem Werke stehende Persönlichkeit als
begnadete Schernatur, die zu größten Dingen bestimmt.
    Inmitten der kaleidoskopisch schillernden Mosaikgemälde und
Feerie-Wandeldekorationen und nachgepfiffenen Epigonentriller der andern
Litteraturfabrikate fühlt man ja wie, die Jungfrau, welche ihrer Mutter über die
Bälle klagt: »Ach, es ist doch immer dasselbe!« Der gewisse »Eine« war ihr eben
noch nicht im Ballsaal begegnet. Aber hier bei Leonhart neben höchster
männlicher Reife und fast schon angegreister Lebenserfahrung eine gewisse
unverbrauchte Jugendlichkeit, wie die des tölpelhaften jungen Siegfried, der
auszieht, um Krimhild und die Welt zu erobern. Überall hatte man hier den
ganzen Mann als kompakte Taterscheinung vor Augen in der tiefinnerlichen
Unteilbarkeit seiner elementaren Persönlichkeit, deren Naturgewalt natürlich
die diplomatisch kleinlichen Geistesschmarotzer der modernen Hypercultur nicht
zu fassen vermochten. Wie man in der Dienst-Korrespondenz eines
