 war da, er mit der hackenden Habichtsnase und dem mangelnden Kinn,
der große litterarische Tote, der einst die Irrlichter seines schnoddrigen
Witzes über die öden Sumpfhaiden seiner heut schon antiquarisch verstaubten
Salonstücke verschwenderisch ausstreute. Neben ihm saß ein geistreicher Pavian
in grosskarrirten Beinkleidern und weißer Weste, und rieb ihm zahllose Paradoxen
unter die Nase, und zwar wörtlich, indem er ihm beinahe ins Gesicht sprang.
Hinter diesem saß sein Schatten, natürlich ein Baron (denn wo ein Jude, ist auch
immer ein Baron nahe). Sein Kater-Näschen und sein ganzes dummdreistes
Kneifer-Gesichtchen näselte gleichsam lautlos. Einer jener Litteraturbarone
(natürlich stand »Freiherr« groß und breit in Goldschrift auf der Tür seiner
Wohnung), welche den ehrenfesten Aristokraten mimen, während der Kenner in ihnen
sofort ein neidzerfressenes grössenwahnsinniges Streberlein erkennt.
    Er erzählte grade in näselndem Ton, wie »Serenissimus sein gnädigster Herr«
(einer jener kleinen Köter, kennt ihr meine Farben) ihm eine echte Havanna
verehrt habe. »Mein lieber Baron, meinte der Gnädigste -« Er unterbrach sich, um
mit Innigkeit die Gattin eines jüdischen Mache-Meisters zu begrüßen, wie er denn
inbrünstig zu Unsrer Lieben Frau vom Jordan betete und mit Gottes Hilfe in den
Salons »der geistigen Aristokratie des deutschen (jüdischen) Volkes« zu einer
Berühmteit emporgeschwindelt wurde. Was kann da sein! Man braucht einen Baron
als Zimmer-Staffage. Das passt dem auserwählten Volke in seinen Kram.
    Der Adel ist heut immer noch ein gutes Geschäft. Dies wusste ja Frau Hermine
Schmidt, geborene v. Preuschen, zu würdigen, indem sie sich schlankweg »Baronin
Preuschen« weiter fort titulirte. Und siehe da, es war sehr gut. Mit
Enthusiasmus stürzten die jüdischen Federpiraten für sie ins Turnei, sintemal es
denselben immer zur besonderen Ehre gereicht, einem Adelstitel unter die Arme zu
greifen. Mit Entrüstung muss man jedoch die schnöde Verleumdung zurückweisen, dass
all diese adligen Herrn und Damen eines enragirten Philosemitismus verdächtig
seien. Sie benutzen eben nur die jüdische Presse ebenso schlau wie die
conservative zu ihren durchsichtigen Reklamezwecken. Nein nein, man sitzt nicht
immer mit einem Baron an einem Tisch; dies beglückt ja einen armen deutschen
Schriftsteller. »Kollege Baron X.« wird daher überall zum Vorsitzenden gewählt.
Adel verbürgt Seelenadel, ein sehr gutes Geschäft.
    Beide spielten hier die Rolle des »Großen Galeotto«, indem sie über
Krastinik eine Verleumdung, »einem on dit zu Folge« aussprengten.
    »Haben Sie dafür irgend einen Beweis?« fragte der Mann mit der Habichtsnase.
    »Nein, das grade nicht. Aber Beweise beweisen nichts!« grinste Doktor Emil
Bengelheim mit seinem grotesken schadenfrohen Kichern. »Es liegt in der Luft.
Man sagt.
