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    Mir bahnte den Pfad der erhabene Narr, wahnwitziger Wüsteit Meister mir,
Kaligula mit dem tierischen Blick der übermenschlichen Frevel. Auch der
grossdenkende Cäsar-Apoll, die Künstlerbestie, die zum Klang des eigenen
Lyraklimperns schwamm auf goldner Barke im Tiber, lotternd auf purpurnem
Talamus, weissstirnige Buhlinnen rosenbekränzt schamlos zur Seite - also zu
bewundern das brennende Rom, von lebenden Fackeln entzündet: Nazarenergewürm,
ans Licht gezerrt aus Katakomben, gepfählt, erwürgt, aus Kreuz genagelt,
verpicht mit Stroh, und mit Naphta sodann übergossen. Dies Schauspiel weckte ihm
schauerlich-schön dityrambische Stimmung. Anschaulich entrollt, studierte er so
der Sinnenwelt schrecklichste Wonnen und Schrecken. Der Erkenntnis Aganippe er
schlürfte in rinnenden Zähren, triefendem Blut. Im prächtigen Mordbrand suchte
er den prometeischen Funken.
    Feinschmecker der Psyche, Lucull des Gefühls, wie sinnig verknüpfest Du so
in eins die Elemente von Gier und Grau'n! Verschmelzung doppelten Schauders! Der
Üppigkeit süß entnervende Schauer mit markdurchrieselnder Ahnung der Furcht!
Dir folgend, du Aristipp-Dionys, hab' ich herrlichen Tod mir ersonnen.
    Nur Schnee befreit ein erstarrtes Glied, nur Glut erstickt der Genusssucht
Glut. Drum stürz' ich vom Lager verzehrender Lust ins Brautbett des Todes, die
Flammen.
    Ichtys, der Fisch, ist der Christen Symbol, das meine der Salamander, der
froh im Erdpech, vulkanischer Lavaschicht der Ur-Erregungen, wühlet.
    Man schlendert ins Feuer den Skorpion, dann bohrt er den Stachel ins eigne
Hirn: So springt mein Ekel ins Bad des Tods, nicht lökend wider den Stachel.
    Als Kind in frischer Ursprünglichkeit, wo die Welt eine Fabel, ein
Hirtenidyll, da fühlen wir den homerischen Trieb nachbildender Weltumfassung.
Doch drängt die grausame Wirklichkeit sich unablässig in's Innere ein durch
jeden Spalt der Sinne, so gährt im Hirn ein schauerlich Chaos.
    Mit Selbstverhöhnung beginnen wir, mit Selbstverachtung fahren wir fort und
enden, die Ohnmacht des Einzelgeist's, das All zu empfinden, erkennend.
    Drum früh dies ahnend floh ich aus Furcht zum rohen Genuss und erkannte
sofort in der Sinnlichkeit die einzige Bahn zu gelassener Lebensertragung. O weh
mir! wär' ich doch lieber bestimmt zum Kriegstribun, zum Legionar mit ehernen
Nerven und blödem Verstand und derbem Behagen am Dasein! Doch wem das Fieber des
Denkens einmal die Seele schwächte, fällt immer zurück in neuen Anfall und ihn
curirt nur die letzte Krise vom Kränkeln. Was hilft's, mit erlogener
Sinnlichkeit an der Aussenform kleben und tasten nach Schein-Schönheit mit
erzwungener Begier, ein Pseudo-Epikuräer? Die Schönheit des Scheins - o könnt'
ich sie nur mit Sein vertauschen, so hässlich es sei, mit
