 Theater« in Szene gehen, sein Drama, dem Graf Krastinik den
Namen geliehn, damit auf diese Weise ein Werk des connexionslosen
strebernsunkundigen Dichters an die Öffentlichkeit gelange. Ob es gefallen
würde? Und wenn, wie würden nachher das Pressgesindel und die Teatermenschen
sich erbosen, sobald der schreckliche Hereinfall aufgedeckt! Man hat sich einen
Spaß erlaubt, eine Mystification! Sie konnten gar von grobem Betrug reden,
garstige Chicanen erfinden, ja den wahren und angeblichen Autor in corpore in
Press-Verschiss erklären und unmöglich machen!
    Leonhart's Finger krampften sich auf und zu. Er fühlte, dass er zum Mörder
werden könne, zum Mörder an diesen Elenden, die Gott in seinem Zorn erschuf, um
das Höchste und Heiligste, die Poesie, mit ihrer stinkenden persönlichen
Geschäftsmacherei zu besudeln. Eine Verschwörung von Schurken und Dummköpfen,
nicht wert, auch nur den Staub von den Stiefeln eines Dichters zu lecken.
    Nicht Einer unter all diesen Litteraten-Strolchen, der nicht ausschließlich
von seinem winzigen erbärmlichen Ich speiste, der nicht an miekriger
Selbstsucht, an einer wahren Selbstbefleckung des selbstverliebten Grössenwahns
litt. Alle verzehrt von hirnzerfressendem Neid gegen gefürchtete Superiorität,
kriechend nicht vor dem Talent, sondern vor dem Erfolg, nicht vor dem Verdienst
eines Alvers, sondern vor dessen Studententriumphen und seinem »von«. Alle
gleich, ob nun germanische Jüngstdeutsche mit augenverdrehender Pseudo-Stürmerei
oder jüdische Jüngstdeutsche mit tatkräftiger Realitätsausnutzung, ob nun
notorische Streber oder verschämte Akademiker mit angeblich reinen Idealzielen.
Alle nur die Wurst nach der Speckseite werfend, alle nur bemüht ihr liebes Ich
zur Geltung zu bringen, alle tief von der Wichtigkeit ihres mittelmäßigen Nichts
durchdrungen, und von Übelwollen gegen alles Übrige beseelt.
    Ja, er durfte sich's sagen: Er war der letzte Idealist, der Letzte, der
immer nur die Sache sah und nie die Person. Selbst seine Feinde mussten es
zugeben. Ihm schien nur eins wichtig: das Verdienst, in welcher Gestalt auch
immer. Dass er um so schonungsloser den Größenwahn der Windmacher geisselte, lag
in der Natur seiner rücksichtslos herben Wahrheitsliebe. -
    Der Verfolgungswahn packte ihn wieder mit doppelter Gewalt und malte die
verbündete Schlechtigkeit noch düsterer, als sie in Wahrheit sein mochte. Auch
entschwand ihm teilweise die objective Betrachtung, die er in lichten Momenten
wie kein Anderer besaß, betreffs der traurigen Notwendigkeit dieser allgemeinen
Selbstsüchtelei, da doch Jeder herbe um sein Fortkommen zu ringen hat. Von Natur
sind Wenige schlecht, wenn auch kindische Eitelkeit und nörgelnder Neid nur
besonders vornehmen Naturen nicht angeboren scheinen. Allein das Leben häuft
soviel Kot an, durch den man hindurchwaten muss, dass die edleren Gefühle
allgemach verkümmern.
    Gewiss blieben ja Leonhart's wüste Wahnvorstellungen nicht vom Tatsächlichen
fern. Die Schlangen beraten sich, um
