 der Macht der Frevel Übermaß,
Dem Fallenden verzeiht er Nichts. Das tröstet mich,
Dass ich den Lumpen rechten Grund zum Hasse gab:
Dreihundertfünfzehn Ritter, Dreißig vom Senat,
Und von Quiriten eine ungezählte Menge noch,
Ließ ich vernichten: Teils weil abhold meiner Macht
Und meine Frevel tadelnd, teils aus Eifersucht
Und Rachsucht den, der meinen Schlingen sich entzog.
So räumte den Vicin ich aus dem Wege mir,
Den Gatten von der Nichte meines Hahnreimanns.
Die Nichte war gefällig, näherte dem Cäsar sich,
Und mir gefiel Vicin. Der Geck hat mich verschmäht,
Und sprach von Treu' und Tugend - Beide starben drum.
Silan auch starb, der blöde Held. (Stiefvater mir,
Denn meine Mutter gab ihm Klaudius zur Frau.)
Ich war nach seiner Liebe lüstern und umarmte ihn
Einst etwas zu verwandschaftlich. Das merkte er
Und deutete mir drob sein Missbehagen an,
Blies auf die Freundschaftsflöte, sprach von Unnatur!
Pah, Unnatur! Natur ist alles, was Natur erlaubt,
Was ich begehe, ohne grad zu sterben dran.
Naturinstinkt ist jeder Trieb im Menschenblut:
Was ich besitzen will, ist mir auch drum gewährt,
Gestattet ist, was mir gefällt. Pasiphaë
Verliebte sich in einen Stier. Und fühle ich
Verlangen, mich zu paaren einem Krokodil -
Wer schreit da Unnatur, da mir's Natur gebeut?
Ja, Sinnlichkeit war meines Lebens Lust und Qual:
Verzehrend And're, hab' ich so mich selbst verzehrt.
Um den zu fangen, der sich meiner Macht entzog,
Verlieh ein Gott mir Schönheit - schnell bestrickend wie
Medea's Zaubertrank und Paphos' Sommernacht.
                                      IV.
O süße tolle Orgien, wo in dem Kreis
Geliebter Frechheit, von Begierde wild zerfleischt,
Becher nach Becher lachend ich hinabgestürzt
Von honigduftendem Falerner rauschgewohnt.
- Nie sah ich so verlockend meiner Schönheit Bild
Vor Augen, als da ich mich heimlich spiegelte
In dem geschliff'nen Erzschild an der Marmorwand
Einst im Zenit des Sinnentaumels, wild verzückt.
Mein wallend Haar, in krausen Locken ringelnd sich,
Wie einer Furie oder Gorgo Schlangenhaar,
(Die Furie der Begierde hauste ja in mir,
Selbst hetzend den Genuss, von innerem Fluch gehetzt)
Blauschwarz wie Ebenholz, von Wollusttränen feucht,
Gleich wie ein perldurchwirkter dunkler Seidenflor,
Peitschte den weichen Nacken und des Rückens Schnee,
Sich schmiegend um des Busens makellose Form
Bis zu geschwellter Hüften üppiger Fülle hin.
- Des Unterkörpers Stellung war nicht minder schön.
Die kleinen Füße in goldfranzigem Pupurschuh
Zerstampften ruhelos des Estrichs Mosaik
Zum Tact der Flöte, die verlockend girrte rings.
Die runden glatten Kniee bebten im Genuss,
Matt ausgeglitscht. Wie göttlich hingegossen lag
Der Leib, der schmachtend hingeglitt'nen Glieder
