 empfing, als
Dieser ihm seine Aufwartung machte.
    »Jaja, mein Lieber, mit die Kunst is das Allens ja janz nett, aber so'n
bisken Mumpitz muss mit dabei sein. So sage ick immer zu meine Schüler auf die
Akademie: Kinder, lernt auf die Guitarre (sprich Juhitarre) spielen! Damit habe
ick viel gemacht. Ein gutes Bild malen is ja janz nett, aber das Bild doch
verkoofen - des is noch besser. Und das jeht nur mit Mumpitz, nie ohne dieses!
Karrière machen - darin liegt die wahre Musike. Nich wer am besten malt, jewinnt
- sondern wer am besten schwatzen und kneipen tut.«
    Lämmerschreier beeilte sich zu versichern, dass er Violoncell spiele.
    »Siehst de wie de bist! Violoncell is jut. Damit kannst Du den Damens
imponiren un des is die Hauptsache. Komm Du nur mang meine jrossen
Abfütterungsjesellschaften - da wirst Du Dein blaues Wunder erleben. Mach' Du
man zuerst eine reiche Partie - das Übrige findet sich.«
    Und es fand sich ja bald. Kaum angelangt und schon einflussreiche Autorität,
Feuilletonredakteur der »Berliner Tagesstimme« - man sieht, das wahre Talent
bricht sich doch immer Bahn.
    Die Hauptsache bleibt immer, dass man von Adel sei. Denn in China, dem Reich
der Mitte, wo das Pulver und die Buchdruckerkunst erfunden, gelten nur die
Mandarinen vom blauen Knopfe etwas.
    Als Lämmerschreier im »Café Liedrian« an jenem Abend seinen früheren
Protektor mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßte, stürzte dieser eiligst ein Glas
Kognac hinunter und empfahl sich, vom Gekicher Frau Meyer's begleitet. -
    Er hatte zu drei Krügen Bier eine große Portion Sülze gegessen. Dies,
verbunden mit der Kälte und dem Ostwind der Nacht, wirkte offenbar auf seine
Eingeweide. Denn er erwachte mit einem so brennenden Durst, dass er mit nackten
Füßen aus dem Bette sprang und die Wasserkaraffe auf dem Toilettetisch halb
ausschlürfte. Auch dies sänftigte jedoch nicht die Unordnung seiner Nerven. Denn
er wurde von den peinlichsten Träumen heimgesucht. Am vorigen Abend war er in
dem Moment auf einen Pferdebahnwagen gesprungen, von links statt von rechts, wo
ein andrer im vollen Lauf vorüberschoss. dabei wäre er fast ausgeglitten. Er
malte sich nun in der schweigenden Nacht, während der Sturm um die Dächer pfiff,
lebendig aus, wie er so leicht unter die Räder und Pferdehufen hätte geraten
können - ebenso wie er oft an der krankhaften Vorstellung litt, er werfe sich in
seiner Nervenzerrüttung in unwillkürlichem Wahnsinn vor einen heranrasenden
Kourirzug. Nun schwebte ihm wiederum der Traumwahn vor, er setze sich, wie dies
Kinder so oft tun, aufs Fensterbrett, schaue vier Stockwerk tief herunter,
verliere das Gleichgewicht und stürze hinab.
    Es liegt etwas
