 der
Spitzenmantillen, seine wunderbare Kraft in Darstellung des Ewig-Weiblichen und
Ewig-Nackten seine saftige Frische - alles atmet die Gesundheit des modernen
Realismus.
    Adolf v. Werter's herrliches Bild zeigt diesen größten deutschen Meister
auf der vollen Höhe seiner gigantischen Genialität, welche zugleich die
Phantasie eines Kornelius mit dem Realismus eines Hogart vereinigt Da ist
Nichts von den altergebrachten Formeln eines abgestandenen Idealismus. Alles so
natürlich, so naturwahr, so photographisch genau bis auf die Uniformknöpfe, dass
man wirklich vor einer kolorirten Photographie zu stehen glaubt. Und Dies ist ja
das einzig Wahre. Nirgend eine Spur von sogenannter Poesie, nirgend jene
akademische Komposition, wie die Leute der guten alten Zeit sie anzuwenden
pflegten. Alles ist da nüchtern, man möchte beinah sagen steif - aber hierin
eben bewundern wir die treue Wahrheitsliebe, die tiefe Auffassung dieses
Koryphäen. Die größten Bildflächen werden hier mit einer Schnelligkeit kolorirt,
welche staunenswert erscheint. Wie in einer Fabrik wird die Kunst größten
Styles en gros betrieben. Wir glauben nicht fehlzugehn, wenn wir den Meister
gleichsam als einen in's Große übersetzten Signor Karlo - jenen berühmten
Musikmaler des Walhalla-Theaters -, als einen wahren Maler der Zukunft
bezeichnen, in welchem das Vorbild Amerikas auch auf künstlerische Sphären
zurückwirkt.
    Erhaben und unvergleich groß zeigt sich wieder wie gewöhnlich der größte
Maler der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Adam Brenzel, dessen urwüchsige
Titanenkraft den falschen Idealismus und Schönheitscultus mit der Keule des
Naturalismus zu Boden schlug und den tiefsinnigen Ausspruch Macbets: Schön ist
hässlich, hässlich schön, mit so erfolgreichem und umfassendem Verständnis in die
Wirklichkeit übertrug. Sein neuestes, kaum eine Hand breit großes Meisterwerk
Schmutzige Kinder im Bade ist von einer liebevollen Versenkung in die intimsten
Details, für welche jegliches Lob zu groß. Wie das eine Kind sich das Näschen
schneuzt, wie das andere die Zunge herausstreckt, wie das dritte das Hemdchen
aufhebt - das ist alles von einer wunderbaren Schönheit, von zauberhafter
Lieblichkeit und Süße der Empfindung. Und wie der kleine Schmutzfleck in dem
besagten Hemdchen gemalt ist - es ist wonnig. Auch mache ich den Beschauer noch
auf das entzückende Kerlchen im Hintergrunde aufmerksam, das dort seitwärts in
den Gebüschen sich dem Naturgenusse hinzugeben scheint. Das heißt die Natur
gleichsam, wie Aktäon die Diana im Bade, in ihrer vollen Blöße belauschen.
Getrost und unbefangen schreiben wir es nieder: Dieses kaum eine Handfläche
breite Bildwerk des Altmeisters wiegt ganze Galerien Rafaels auf.
    Allen deutschen Frauen und Jungfrauen sei auch die neue Schöpfung
Tischenborn's innig empfohlen Helena und Kassandra an der Tränenweide, welche
in ihrem glatten, gleichsam gefirnissten Pinselstrich den gewiegten Meister
erkennen lässt. Besonders vorzüglich sind die Aschenkrüglein und die hellen
Perlenzähren gemalt, welche, den schönen Augen entquellend, sicher das
