 der Autor seinen reinlichen Stil unauslöschlich
schimpfirt glaubt.
    Der Korrector hat ein wichtiges Amt, dessen er sich kaum bewusst. Seine
Nachlässigkeit kann einen Autor unglücklich machen. Was hilft's, wenn eine
Autoren-Korrectur mangelhaft ausgeführt, hinterher darüber zu jammern! Geschehn
ist geschehen, und der Flecken bleibt für ewige Zeiten haften, über dem ein Autor
verzweifelnd brüten mag, da ihn ein durch Korrector-Nachlässigkeit ruinirter
Satz ewig wie ein Vorwurf drückt. Man pflegt zu trösten: Jeder sehe ja, dass dies
ein Druckfehler sei! Welch' ein Irrtum! Das Publikum liest so blind und dumm,
dass es dergleichen Fehler wirklich für baare Münze nimmt und sich den Kopf über
den Sinn derselben zerbricht.
    Dieses Kleben am Kleinlichen tritt als natürliche Reaction ein bei Größen,
die sonst nur zu sehr ins Große und Weite schauen. So rächt sich die
Alltäglichkeit des Aussenlebens am Ungewöhnlichen.
    Unter solcher Reaction litt eben Leonhart's Überarbeitung.
    Immer aufs neue zogen ihn allerlei Erbärmlichkeiten ab. Seine ganze
poetische Stimmung ging zum Teufel. Schadenfroh wusste man ihn überall bei
fremden Fehden zu verwerten. Vorsicht, Vorsicht mangelte ihm ewig. Stets ließ
er sich zu tief in jede persönliche Zwistigkeit ein und die alberne Furcht vor
der Verleumdung der Welt frass sich immer tiefer. Doch hatte er so Unrecht? Kann
nicht aus jeder Mücke ein Elephant werden, denn man aufbläht, um die Laufbahn
eines genialen Menschen zu hemmen? Ein unbedacht entfallenes Wort wird zum
Verbrechen. Man verliest einseitig Briefe und Urteile über einen Abwesenden,
der sich nicht wehren kann. Ewig verleitete ihn seine Gutmütigkeit, für andre
Leute zu eifrig Partei zu nehmen, als wäre dies seine eigene Sache. Er bedachte
nicht, dass die Welt überhaupt nicht an selbstloses Wohlwollen glaubt und Allem
unlautere Motive unterschiebt. Seine krankhaft argwöhnische Seele die ängstlich
hinterm Rücken Ohren trug, um auf das Geflüster der Menschen zu horchen, setzte
immer das Übelste voraus. Dann aber wuchs auch andererseits sein kühner Mut
und er sah Allem fest ins Auge. Was konnte man ihm anhaben, ihm, der über Alles
erhaben.
    Er fühlte sich rein, er durfte es, so weit er von Pharisäismus. entfernt und
so oft er an seine Brust schlug: Gott sei mir Sünder gnädig! Denn Viele hielten
ihn für edler als er war, Jeder beanspruchte Hilfe von ihm, und raisonnirte,
wenn er sie nicht erhielt. Wer aber hatte ihm denn geholfen, wo sein Leben doch
so viel wichtiger? Nichts komischer, als die überspannten Anforderungen an die
Menschen höherer Art, da man doch die Herzensroheit der sonstigen Gesellschaft
kennt. Den riesenhaften Egoismus eines Napoleon zugestanden stellt ein
Vernünftiger stets die Frage, ob die Mehrzahl, der Menschen nicht in ihrer
winzigen Weise
