 Liebe Frau, dass uns Dein Schutz behüte!
Kein Wesen ohne Dich gedeiht auf keine Weise.
Denn unsre Kraft bedarf all Deiner Frauengüte,
Zu einem Großen sie verknüpft verschiedene Kreise.
Durch Dich nur leben wir und blühn, Du unbeschreibliches
Geheimnis jedes Glücks, das sie ins Herze wob.
O Gattin, Schwester Du, o Mutter! Ewig Weibliches!
Nur Dir, nur Dir allein sei Ehre, Preis und Lob!
    »Ah, bravo, bravo, lieber Graf!« rief Dondershausen. »Hier sieht man den
gereiften Mann, welcher das Leben kennt!«
    »Dass ein Mann wie Sie sich unter diese vorlauten Musenknaben und Maultitanen
mischt!« flötete Adolf der Schöne.
    »Nun, ehrlich gestanden,« Krastinik zuckte die Achseln, »mein Alter in
Ehren! Dass meine Gedichte darum besser wären als die der Andern, kann ich nicht
finden. Unreife - ja, die erkennt man wohl dort überall, aber auch echte
Leidenschaft und mächtiges Wollen!«
    Die vornehmen Kritiker und die feinsinnigen Eklektiker zuckten unisono die
Achseln. Dann las man:
                               Helmold Heinrichs.
                                Erotik am Vesuv.
Von Kapris Kuppen rinnen nieder hier
Die Bäche, rot beglüht vom Morgenschein,
Als rinne schier ein Meer von Malvasier
Zur blauen Grotte selbst ins Meer hinein.
Und der Vesuv steigt weisslich aus der Flut,
Gekrönt von Wolken. Wie ein Zuckerhut.
Oder ein Beutel, oben dichtgeschnürt.
Bald scheint's, ein Hütlein habe sich aufs Haupt
Der Berg gesetzt. Bald scheint, vom Wind umschnaubt,
Ein bleiches Segel an dem Felsenmast
Stets auf- und abgezogen ohne Rast,
Sobald ein Luftzug dort den Dunst berührt.
Und hier im Angesicht - so malt's kein Pinsel -
Des Flammenberges, des zerstörungsfrohen,
Stürz' ich mich in der Liebe Flammenlohen
Und schwelg' in Deinen Armen, Kind der Insel.
    »Ach, das ist mein Lieblingsdichter!« schmachtete Herr von Lämmerschreier.
»Welche Glut des Kolorits!«
    »Auch ein bescheidener Mensch!« Wurmb wiegte anerkennend sein Denkerhaupt.
»Er schreibt mir jede Woche zwei Postkarten aus Kasamicciola.«
    »Mir ja auch!« rief Feichseler.
    »Und mir auch!« »Mir auch!« Es ergab sich, dass dieser bedeutende Sänger an
jeden Anwesenden gleichlautende Freundschaftsbriefe wohl immer zu gleicher
Stunde absende. Ein Netz von Massencorrespondenz über das ganze litterarische
Deutschland hin! Weniger ergiebig schien freilich seine produktive Ader. Denn er
leistete jeden Monat ein Gedicht und erklärte, dass der wahre Dichter nicht
arbeiten dürfe. Er müsse sich langsam vorbereiten, die Welt im Kopfe tragend,
und alles ruhig reifen lassen. Nur der sei ein wahrer Dichterheld, wer möglichst
das Tintenfass meide.
    »Nicht so ewig drauflosschmieren, als
