 endete. Hier flocht
Gottold Ephraim Wurmb die Bemerkung ein, dass er eigentlich Buchsbaum entdeckt
und in letzter Zeit vielen Gedichten desselben die Spalten seines
alleinseligmachenden Blattes geöffnet habe.
    Am schärfsten klopfte man auf Mokamaute los, weil dessen
dämonisch-krankhafte Individualität durch ihre, wenn auch ungesunde,
Wahrhaftigkeit die conventionellen Phrasendrescher abstiess. Doch auch Krastinik
sprach seine besondere Antipathie gegen diesen Dilettanten aus.
    »Sein Leid ist so unnennbar groß und er versichert Jedermann, dass seine
Seele nun völlig in der Lüste ekelm Schlund verdorben sei. Aber mit hartnäckiger
Rüstigkeit bestellt er den Weinberg der Poesie weiter und setzt seine Leiden in
edler Druckerschwärze wie eine vollgeladene Weltschmerzpistole der verachteten
Welt auf die Brust. Dieser Kultus der Stimmungslyrik, diese Scheinpoesie, die
naturgemäß zur Spielerei und Duselei verlockt, saugt ihm das letzte Mark aus den
Knochen. In diesen Beiträgen ist er ja noch gar nicht in seinem esse. Man muss
ihn in äterischen Sphärenräumen herumfuchteln hören. Da löst er zuguterletzt
alles in Wortmusik auf, als begnadeter Stimmungsfritze im Vollgefühl des einzig
wahren Schöpfermysteriums. Sternentau und Veilchenblau zu einem weinerlichen
Reim verknüpfen - das eigene Persönchen, das weltverachtend nach Weltlust
lechzt, selbstverleugnend dem All vermählen, um desto brünstiger die
Befriedigung unersättlicher Ichsucht zu genießen - das ist so der richtige
Lyriker von Gottes Gnaden!«
    Diese herben Worte, welche der männliche Sinn des Ungars ihm entpresste,
gingen besonders dem Herausgeber Lämmerschreier wie Öl ein. Seine stumpfe
griechische Nase blähte sich, als genösse sie einen fetten Bratengeruch, und
sein Schlangenäuglein blinzelte tückisch. Nun kam Krastinik selbst an die Reihe.
                             Graf Xaver Krastinik.
                                  Lebensritte.
Dem Toren scheint Torheit, was der Weise spricht,
Der Dinge Innerliches versteht er nicht.
Was sind die Aussenformen? Ein Wirbel von Monaden.
Der Geist in seiner Klause nur webt den roten Faden,
Der regelrecht sich hinzieht durchs Wirrsal der Erscheinungen.
Doch blind ist Eure Wahrheit und Eure Fakta: Meinungen.
Zu jedem Laster, sei es noch so arg,
Liegt in Dir selbst der Keim, o Pharisäer!
Drum sei mit Deinem Tadel lieber karg!
O säh' Dein eigenes Innere ein Späher!
Alles ist ein Wunder in der weiten Welt,
Rätsel Dich umgeben, wohin Dein Auge fällt.
»Über nichts Dich wundern« riet ein Weiser zwar.
Aber wer's befolgte, nie ein Weiser war.
Alles will ich gern ertragen,
Gern des Elends Fülle kosten.
Eins nur mag ich nimmer wagen:
Tatlos langsam zu verrosten.
Doch wer mit der Welt der Kleinen
Sich entwürdigend verschwistert,
Muss sich ewig ihr vereinen,
In ihr Stammbuch einregistert.
Der Teufel hole das Nörgeln und Zaudern,
Das Zupfen an jedem Eselsohr!
Kleckse machst Du über dem Plaudern!
Schmiere frisch darauf los, Du Tor
