 Schulmeisters, der als
würdiger Bruder des Unteroffiziers und geistiger Knote jede freie
Geistesentfaltung zu nivellirender Uniformität herabdrillen möchte. Jetzt wende
ich mich zum Schluss einigen allgemeinen Beobachtungen über den deutschen
Nationalcharakter zu.
    Wir verstehen diesen am besten, sobald wir den französischen und englischen
zum Vergleich heranziehn.
    Der Franzose ist ein Sanguiniker. Mit leicht beweglicher, jedoch rein in die
sinnliche Wahrnehmung gebannter Phantasie verbindet er im Ganzen eine
erstaunliche Kälte des Herzens. Er ist grausam, unbarmherzig im Verfolgen
egoistischer Pläne und Leidenschaften, zu welchen besonders seine phänomenale
Sinnlichkeit zu rechnen ist, brutal im Besitze der Macht und wesentlich nur aus
Eitelkeit zur sogenannten französischen Kourtoisie und Ritterlichkeit geneigt.
Nichtsdestoweniger berauscht ihn seine oberflächliche schillernde Phantasie sehr
oft bis zur größten Noblesse und Empfindsamkeit, sobald man an seine Würde als
Glied der großen Nation appellirt. Somit ist Eitelkeit und wieder Eitelkeit die
Triebfeder seiner guten wie seiner schlechten Handlungen und Eigenschaften. Sein
Idealismus ist stets aus diesem einen Beweggrund herzuleiten, persönlicher oder
nationaler Eitelkeit. Darum wird er mit Begeisterung Jeden betrachten, der den
äußern Glanz Frankreichs fördert, um so mehr er im Ganzen von erstaunlicher
Unselbständigkeit ist und sich am liebsten von einem zusammenfassenden
energischen Willen leiten lässt. Er ist mit Begeisterung servil, ebenso wie er
mit Begeisterung die Freiheit anbetet - Beides, um seiner Phantasie ein Idol zu
bieten, heiße es nun gloire oder liberté. Seine aufopfernde Hingebung für dies
momentane Idol schlägt natürlich in das Gegenteil um, sobald diese Hingebung
dem Heisshunger seiner phantastischen Eitelkeit nicht mehr genug entsprechende
Sättigung gewährt. Aber der künstlich zur National-Eitelkeit grossgezogenen
Eitelkeit seines Naturells und seinem Leitammelsuchenden Instinkt verdankt er
seine erlauchteste Tugend, den unbestreitbaren stets bewiesenen Patriotismus,
der Alle vereint. Auf Gemeinsamkeit ist der Franzose überhaupt hingewiesen und
veranlagt, in eminentem Sinn ein Zoon politikin. Ihm ist »die Gesellschaft«
Alles, weswegen er eine tödtliche Furcht vor dem Lächerlichen empfindet. Diese
in seinem Charakter liegende Unselbständigkeit bei aller Selbstüberschätzung,
diese Selbstverknechtung unter die eitelen Dogmen äußerer Gesellschaftszustände
erklärt denn das Problem, dass der Franzose - aus Eitelkeit, phantasievoller
Nervenerregteit und angeborner fränkischer Wildheit mit denkbar höchstem
physischen Mut begabt - im Übrigen als ein moralischer Feigling erscheint.
Folge von dem allen, dass die französische Nation mit Recht eine große genannt
werden kann, der Franzose selbst aber im Ganzen ein kleiner und kleinlicher
Charakter ist und bleibt.
    Genau das Umgekehrte gilt vom Engländer, wo der Einzelne im Ganzen
achtungswert erscheint, die Nation aber als Totalität einen peinlichen Eindruck
hervorruft. Der Engländer entwickelt in seiner Art dieselbe Eitelkeit, wie der
Franzose - nur in anderer Form, die zwar weniger kindisch, aber desto
widerwärtiger wirkt.
    Der Britte ist Choleriker mit melancholischem Anhauch. Die lebensfrohe
Eitelkeit, das kindliche Behagen an allem Gleissenden, »Kinderklappern
