
beseelt sind.
    Aber, mein Verehrtester, was gilt das uns? Wir wollen nicht gute
Vaterlandsverteidiger, wir wollen Soldaten mit allem Gamaschen-Zubehör. Wir
spielen halt gern Soldätles und dazu brauchen wir drei Jahre.
    Sehr gut. Wer kann einen so rührenden Geschmack anfechten! Spielt ihr nur
fort - aber wie? Die allgemeine Dienstpflicht ist es, d.h. das Vaterland und
Volk ist es, mit dem ihr zu spielen wagt? »Patriotische Pflichterfüllung« nennt
ihr es, wenn dem Vaterlande der ungeheuerste Verlust in national-ökonomischer
Hinsicht dadurch erwächst, dass man die besten Kräfte in der schönsten Zeit für
Parade-Exercitien vergeudet?
    So kauft euch eine Söldner-Armee. Dies aber erinnert an den hessischen
Menschenverkauf. Denn nur mit dem, den man gekauft hat, darf man wie mit einem
Heloten wirtschaften - freilich tut's im bürgerlichen Leben kein anständiger
Mensch.
    Die fortwährend zunehmenden Unteroffizier-Prozesse, welche die
monstruösesten Details enthüllen, die Selbstmord-Epidemie unter den Gemeinen,
weil sie »die ewige Angst und grausame Behandlung nicht mehr ertragen könnten«,
haben denn doch in letzter Zeit nicht nur in gebildeten Kreisen und in der
Presse einen Sturm der Entrüstung entfesselt, sondern sogar in Offizierkreisen
haben sich die ernstesten Bedenken geäußert, ob dieser Eckpfeiler des
Preussentums, der Unteroffizier, noch länger als eine solche Bestie zu dulden
sei. Man hat sogar aus den Garde-Dragonern zwei Wachtmeister, welche es bis 2000
Taler pro Jahr an Bestechungen brachten (dort dienen nur die reichsten
Freiwilligen), endlich ausgestoßen. Aber der dreijährige Missetäter an Leib und
Seele des armen Rekruten wird noch lange seinen Unfug treiben und, das leicht
erlernbare Pensum eines halben Jahres endlos durch tausend Mätzchen hindehnend,
den ohnehin beschränkten Bauern das Lernen redlich erschweren. Bei dem
intelligenten Freiwilligen wirkt er freilich nicht direkt verderblich, weil
derselbe das Pensum ohnehin in ein paar Wochen übersieht. »Der Rest« seiner
Dienstzeit »ist Schweigen« - und zwar in wörtlicher Beziehung, nämlich
»Maulhalten« vor'm Vorgesetzten. Außerdem ganz nutzlose Strapazen erdulden, wohl
auch vier Wochen im Lazaret liegen, und zahllose Brutalitäten hinnehmen. Das
ist die Überfracht von elf Monaten, außer dem einen, der ihn im Kriegsfall als
durchgebildeten Soldaten vor den Feind gebracht hätte.
    Mit einem Worte, der wahre Nutzen der dreijährigen Dienstpflicht besteht in
der Ausbildung der Dulderfähigkeit des Menschen. Wer das überstanden, kann Alles
überstehn. Der Soldat hat gelernt, wie schwer und sauer das menschliche Leben
gemacht werden kann. Das ist schon ein großer Vorzug vom etischen Standpunkt
aus. Und unsere Moralisten des »kategorischen Imperativs« lobpreisen diesen
erhabenen Zweck hinter'm warmen Ofen mit sinnigem Behagen.
    Aber seltsam! Der heimkehrende Reservist,
