 machte hier eine kurze Pause, trank ruhig ein Glas Wasser, indem er
seinen Blick gleichmütig über die offenbar missgestimmte, sich räuspernde und
unruhige Versammlung hingleiten ließ und fuhr fort:
    Wer seine Nation verachtet und das Fremde vergöttert, wie der Deutsche es
früher tat, verdient, dass er gar kein Vaterland habe. Wer hingegen seine Nation
plötzlich als Ausbund aller Tugenden feiert, wie das jetzt nach dem Muster der
Franzosen und Engländer in Deutschland beliebt wird, mag für seine Torheit
selber büßen. Denn nicht Patriotismus ist der Grund solch chauvinistischen
Selbstgefühls, sondern jene uranfängliche Philisterfaulheit, die sich in dem
Unrat ihrer eignen Dummheit ganz behaglich fühlt. Es lebe die Bärenhaut! Alle
Institutionen Deutschlands sind musterhaft. Wer dagegen schwatzt, ist ein
Skandalmacher. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.
    Über die zwei Kardinallaster, die zwei Hauptpuppen des speciell preußischen
Grössenwahns möchte ich hier ein wenig unehrerbietig freveln.
    Es ist schon gut gesagt worden, angesichts der unglaublichen Phrase, die an
Phantastik eines V. Hugo würdig: »Der Schulmeister hat die Schlachten von
Königgrätz und Sedan gewonnen« -: »Larifari, der Unteroffizier hat sie
gewonnen.«
    Ja wohl, das klingt wenigstens nach gesundem Menschenverstand. Und dennoch
ist auch dies eine ganz vague Behauptung, die sich ins Unendliche fortsetzen
ließe. Denn sicher war es weit mehr die gewandte und umsichtige Führung der
Offiziere selbst, sodann die Leitung des Generalstabs, die allgemeine
vortreffliche Ausrüstung der Armee; endlich der Wille der Vorsehung, die das zu
erstrebende Ziel längst vorgesteckt hatte. »Den Zufall gibt die Vorsehung«,
bemerkt Marquis Posa, »zum Zwecke« - muss halt der Mensch dabei sein. Und da
helfen z.B. im Kriege Unteroffiziere und Offiziere durchaus nichts, falls nicht
die angeborene Tüchtigkeit und Energie und Tapferkeit des Soldatenmenschen, des
sogenannten »Kerls«, dahinter sitzt. Jeder, der ein wenig mit militairischen
Dingen vertraut ist, wird wissen, dass die ewig neu erhobene Behauptung jedes
Reservisten: er habe genau die Hälfte seiner drei Jahre rein für Nichts
vertrödeln müssen, ja das Alles in weniger als einem Jahr lernen können, - stets
belächelnswert bleibt, da ja interne Kasernenfragen und Kommiss-Gewohnheiten
gerade die drei Jahre vom Mark und Schweiß des Bürgers bedingen. Mit weniger
wird halt die Drehung des regelrechten Zopfes nicht erreicht, der dem ganzen
modernen Heerwesen noch immer im Nacken baumelt. Kann man mit einem Jahr
Ausbildung einen Gemeinen erzielen, der vor dem Feind seinen Mann steht? - O
pah, dazu braucht's nur eines Halbjahrs - wie bei den Einjährig-Freiwilligen,
die ja ihr zweites Gefreiter-Halbjahr auch eigentlich nicht brauchten. Im Grunde
taugen sogar auch die eben erst Eingezogenen dazu, wenn sie nur von gutem Geist
