 lernen,« barer Unsinn. Gerade die, welche
nie und nirgends Unterordnung verstünden, würden sich um so besser auf's
Gebieten verstehen.
    Vergeblich wird man daher freien, selbstständigen und initiativen Naturen
(ich meine hier natürlich keine Herrschernaturen, sondern überhaupt alle
energischen Impulsiven) blinden Gehorsam predigen. Wer den militärischen
Gehorsam aus der Dienstpflicht ins Leben nachschleppt, war einfach so angelegt
und bedurfte einer solchen Erziehung gar nicht. Die Majorität der Menschheit
besteht eben schon aus Lakaienseelen, diensteifrigen Naturen, Stimmvieh.
    Vor geraumer Zeit machte der Fall viel Aufsehen, dass vier Landwehrmänner bei
einem Manöver sich geweigert hatten, in einem Viehwagen transportirt zu werden,
darob an den Kaiser ein Beschwerdetelegramm richteten und dafür zu vielen Jahren
Zuchthaus verurteilt wurden. Die Höhe des Strafmasses mag zu hart gewesen sein;
aber das Mordsgeschrei, das die liberalen Blätter darüber erhoben, war
unberechtigt. Eine so beispiellose Dreistigkeit, wegen einer solchen Lapalie die
Vorgesetzten beim obersten Kriegsherrn per Telegramm zu verklagen, verdiente
exemplarische Züchtigung. Es liegt hier sogar eine Unverschämtheit vom rein
menschlichen Standpunkte aus vor. Eine andere Frage ist es freilich, ob der
betreffende Offizier, falls er wirklich etwas Gesetzwidriges - z.B. körperliche
Misshandlung - begangen hätte, ebenfalls wegen Ungehorsams gegen das
Militärgesetz ähnlich hart bestraft worden wäre. Ich fürchte fast, hier hätte
die Antwort gelautet: Ja Bauer, das ist ganz was anders! - Jedenfalls aber zeigt
die bloße Möglichkeit eines solchen naiven Aufbegehrens seitens vier beliebiger
preußischer Landwehrleute, wie wenig der Sinn sklavischer Unterwürfigkeit - als
»Gehorsam« ein notwendiges berechtigtes Militärgebot - im späteren Civilisten
wurzeln bleibt. So sind sie nun mal, die modernen Menschen! Vom
Militär-Standpunkte aus, der die Menschheit als eine Masse zu drillender
Rekruten betrachtet, ist das beklagenswert, aber leider unabänderlich!
    Die weiteren segensreichen Einflüsse des »Dienens« machen sich bemerkbar in
einer allgemeinen Zufahrigkeit und verstärkter Brutalität in den unteren
Schichten, wie denn seit dem Kriege die Verbrechen gegen das Leben, das
Messerstechen, die Roheit der Balgereien sich rapide steigerten. Bei den höheren
Ständen (Einjährig-Freiwilliger, Reserveoffizier, d.h. ein Geschöpf mit den
Pflichten ohne die Rechte des Offiziers) bleibt eine vermehrte Vorliebe für
alles Aeusserliche, Schein, Etikette und alles überreizte falsche Point d'honneur
-Gefühl zurück. Das sind die logischen Folgen - weiter nichts. Durch diesen
Geschmack am Aeusserlichen wird oft für lange Zeit der wahre Ernst zur Arbeit
untergraben. Die aus der Dienstpflicht Zurückkehrenden, seien sie Gelehrte oder
Bauer, müssen sich erst mit Anstrengungen wieder an ihren wahren Beruf gewöhnen,
aus dem sie plötzlich herausgerissen sind. Natürlich sind unsere geschätzten
Militärpädagogen harmlos genug, den Hauptwert der Erziehung auf
Berücksichtigung der individuellen ursprünglichen Eigenschaften zu legen.
