 Zoroaster seine herrliche Kampflehre schuf. An den
Krieg hat er sicher nicht gedacht, denn das hieße Kampf von Ahriman gegen
Ahriman, das hieße den Teufel vertreiben durch Beelzebub. Der wahre ernste
Kampf, der schwerste und mutvollste Kampf, von dem allein die Entwicklung der
Menschheit abhängt, ist der Kampf mit den Dämonen der Welt und der eigenen
Brust. Dagegen ist der Kampf der Waffen ein erbärmlicher Tand, eine
komödiantische Aufregung, des wahren sittlichen Ernstes bar.
    Es ist eigentlich albern, solche Selbstverständlichkeiten noch zu erwähnen.
Der Kampf ums Dasein selbst im bürgerlichen Leben erfordert hundertmal mehr
Energie und sittlichen Mut, als der frivole oder rein physische Schlachtenmut.
Auch die Bestie ist tapfer in diesem Sinn; aber wenn sie mal nichts zu fressen
hat, dann winselt sie. Man müsste es nicht nur als sittliche, sondern erst recht
als intellektuelle Unreife beklagen, wenn die Abneigung gegen Krieg und
Soldatenspielen, gegen welche Verfasser polemisirt, nicht bei einem modernen
Bürger vorhanden wäre. Möge sich der rote Kragen an der Verehrung der Knaben
und Weiber genügen lassen.
    Wenn nun alle idealen Redensarten nichts gegen die schlichte Logik der
Vernunft verfangen und der Krieg, seines idealen Schimmers entkleidet, als ein
trauriges, wenn auch momentan notwendiges Antikultur-Übel erscheint, so fällt
natürlich eine übertrieben hohe Auffassung des Soldatenstandes in Nichts
zusammen. Es soll keinen Augenblick bestritten werden, dass der Krieg die
edelsten Gefühle der Menschenseele ausbilden kann, natürlich ebenso die
allerniedrigsten. Traurig genug, dass gutmütige und in gerechter Sache kämpfende
Soldaten sich in der Erregung den tollsten Exzessen hingeben können. Das Alles
aber gilt für den Krieg nur wie für jedes andere aussergewöhnliche Ereignis, das
mit Gefahr verbunden ist. Was aber - fragen wir hier wieder - hat der Krieg mit
der Überhebung des Offizierstandes zu tun?! Denn nur darum handelt sich's bei
dieser Broschüre und vielen ähnlichen! Der Krieg selbst wird ja auch nur
gleichsam als pièce de résistance im Hintergrunde weihevoll verwertet; der
wahre Zweck ist bloß der, die übertriebenen Achtungsansprüche des Offiziers in
Friedenszeiten zu begründen.
    Heut bei der allgemeinen Wehrpflicht ist ja selbst dieses wunderherrliche
Institut der sittlichen Weltordnung, »Krieg« genannt, den priesterlichen Händen
einer speziellen Kriegerkaste entwunden - wenigstens was die Gefahr, diese so
wundersam sittlichende Gefahr, anbelangt: dies höchste sittliche Gut teilt der
Offizier brüderlich mit jedem waffenfähigen Bürger, um für sich hernach bloß das
minderwertige schnöd materielle Gut etwaiger Dotationen und Auszeichnungen zu
behalten.
    Diese großartige Selbstverleugnung, diese freigebige Humanität im Teilen
der Sittlichkeitsmomente des Krieges, damit selbst der Geringste derselben
teilhaftig werde, muss man um so höher schätzen, als sich ja der Offizier auch
ohne den »Kriegsgedanken« um die »Volkserziehung« so unendliche Verdienste
erwirbt. Wenigstens ist laut unserm
