 wurde derselbe bereits in jenen
barbarischen Epochen als ein schweres Übel angesehen und die Söhne Kains
spielen neben den friedlichen Nachkommen Sets durchaus keine gefeierte Rolle.
Die gesammte Kulturentwicklung läuft aber einfach darauf hinaus, den Kampf ums
Dasein zu mildern und vor allem aus dem Bereich der rohen Gewalt zu rücken. Die
Geschichte der Zivilisation ist einfach die Geschichte der zunehmenden
Waffenabschaffung. Sogar im Kriege selbst ist die roheste Form des Kampfes, das
Handgemenge, wo persönliche Stärke entscheidet, fast auf den Aussterbeetat
gesetzt. Wie wenig man übrigens selbst in der Urzeit das Waffenhandwerk als
etwas allgemein Gültiges betrachtete, geht hervor aus dem Bestehen der
abgeschlossenen Kriegerkasten. Ein Überbleibsel derselben scheint es, wenn bis
ins vorige Jahrhundert der Mann aus den besseren Ständen den Degen an der Seite
trug. Seit hundert Jahren ist auch dieser schwache symbolische Überrest
verschwunden.
    Wenn nun die Milderung des »Kampfes ums Dasein« Hauptziel aller
Kulturbestrebungen ist und wenn eine solche Milderung in fortschreitender
Progression in der Tat ersichtlich wird, so scheint die Möglichkeit eines
»ewigen Friedens« nicht absolut ausgeschlossen, da die roheste Form des
Daseinkampfes, der Krieg, auch am leichtesten zu beseitigen ist. Ob aber »ewiger
Krieg« oder »ewiger Frieden« der Menschheit bevorsteht, ist ja nicht zu
beweisen, da nur die Erfahrung, es lehren kann. Fürs erste sind beides hohles
Phrasen. Die Wahrscheinlichkeit spricht aber gewiss eher für den »ewigen
Frieden«. Um dessen Unmöglichkeit zu folgern, berufen sich die so hochidealen
Kriegsfanatiker auf die Schlechtigkeit der Menschennatur. Sie vergessen dabei,
dass nicht nur die edelen, sondern ebenso die niederen Regungen gegen den Krieg
stimmen, da dem allmächtigen Egoismus und Eudämonismus die Kriegsmühsal gewiss
nicht als ein Wünschenswertes erscheint. Der Krieg ist nicht identisch mit dem
»Kampf ums Dasein« und der Krieg ist keine Notwendigkeit der sittlichen
Weltordnung, der »ewige Krieg« ein Fabelpopanz und der Krieg in jedem Fall ein
Übel. Letzteres geben die Militäridealisten mit verschämter Salbung natürlich
allerorten zu. Denn der Avancier-Wunsch des Leutnants scheint doch wirklich kein
ausschlaggebendes Moment für Bejahung der Kriegsnützlichkeit!
    Aber die Kriegsentusiasten schwingen sich nun sofort wieder auf den Koturn
des Ideals, indem sie eine Art persischer Religion proklamiren, den ewigen Kampf
von Ormuz und Ahriman, - um den Kampf an sich als aller Dinge Herrlichstes zu
preisen. Wir befinden uns in der angenehmen Lage, dasselbe philosophische
Lebensprinzip zu hegen und auch öfters schriftlich ausgeführt zu haben. Nun
möchten wir aber fragen, all die angeklebten Tiraden über Stählung des
Kampfmutes, Verweichlichung u.s.w. lächelnd übergehend: was das wohl mit dem
Krieg zu tun habe? »Denn ich bin ein Mensch gewesen und das heißt ein Kämpfer
sein« - so war's gemeint, als
