 ihre Privat-Interessen, die
Lumpe haben gar keine Meinung und die Dummköpfe eine Meinung, welche meist noch
schlimmer ist als gar keine. Glauben Sie etwa, dass die Burschen, welche die
»Oeffentliche Meinung« (lucus a non lucendo) vertreten, es auch nur der Mühe
wert finden, die Autoren zu lesen, über die sie ein Verdikt abgeben? Hören Sie
einen solchen Nullmenschen über mich faseln, so fordern Sie ihm sein Ehrenwort
ab, ob er wirklich auch nur eins meiner Hauptwerke gelesen habe! Doch, pah! Das
nützt nichts: Wo keine Ehre ist, wirkt auch kein Ehrenwort. - Lassen Sie's gut
sein! Eines Tages muss die Wahrheit durchdringen; so groß ist ihre innere
Unwiderstehlichkeit.
    Noch eins. Sie werden wahrscheinlich gehört haben, ich hätte die Schwäche,
Kollegen zu »entdecken«, grosszupreisen und dann ebenso schnell fallen zu lassen.
Lassen Sie sich nichts vorreden! Tauschender Schein, leerer Schwindel - nichts
weiter! Ganz grundsatzgetreu bleiben bekanntlich nur die Bösewichter und seine
Ansicht corrigiren ist kein Fehler. Aber nicht einmal das kann man mir bei
genauer Prüfung vorwerfen. Ich habe stets dasselbe über Andere gedacht und
geschrieben von anfang bis heute. Zwar muss man abrechnen, dass ich einerseits
gutmütig und besonders dem Mitleid für »Verkannte« zugänglich, andrerseits
nervös und verbittert bin - dass also der schändliche Undank, den ich stets von
»Kollegen« zu genießen das Glück hatte, mich irritirt. Das würde aber jeden
Andern vielleicht noch mehr empören und ganz bestimmt dessen Urteil
beeinflussen, während bei mir die Objectivität stets die gleiche bleibt. Man
wird Ihnen sagen - die nicht gelobten Kollegen nämlich, die mein Lob über Andere
ärgert -, dass ich später scharfe Dinge geäußert hätte über Leute, die ich früher
zuerst begrüßte. Spezielle Widersprüche wird man zwar vergebens suchen, da mein
Urteil über das Einzelne stets feststand, einmal für immer.
    Aber der Übergang von wärmster Empfehlung der Begabung bis zu kühler
Betonung der Grenzen dieser Begabung war immer der gleiche. Kaum hatte ich durch
rücksichtsloses selbstaufopferndes Eintreten für hülflose Anfänger oder
Verkannte denselben Bahn gebrochen, als auch die kritiklose Welt diese an meinen
Rockschössen baumelnden Anhängsel für Gleichberechtigte neben mir selber hielt
und mich mit diesen, von mir über Nacht geschaffenen neuen »Namen« in einen Topf
warf. Ich müsste kein Mensch sein, wenn mich das nicht peinlich berühren sollte!
Allein, das Peinliche liegt hier keineswegs in einem egoistischen Grunde: Wären
diese Neuen, diese »Dichter von Leonhart's Gnaden«, wirklich auch nur entfernt
gleichberechtigt, so würde ich der Erste sein, der dies anerkennte, so wie ich
vor einem Grösseren als ich mich neidlos beugen würde. Daran zu zweifeln, scheint
für jeden
