 er nachahmender Eklektiker. Überhaupt ein Epigone. Der
gehört noch ganz zu den Alten.«
    Schmoller begann jetzt furchtbar aus Hans Holbach zu schimpfen, den er einen
»vertuschelnden Schönfärber«, halb sentimental halb nüchtern, nannte.
Demgegenüber betonte Leonhart Dessen gefällig leichtes Erzählertalent,
ungezwungene Stilflüssigkeit, goldklare Durchsichtigkeit der Darstellung,
gesunde Fülle des Wirklichkeitssinns, Weltkenntnis (»ja, sehr praktische
Weltkenntnis« schaltete Schmoller ein), Tatsächlichkeit der Auffassung (»ja,
kaufmännisch-kluge!«), reisen künstlerischen Geschmack, lyrische Ader, die in
feiner Empfindungsmalerei schwelgt.
    »Bezüglich des reisen Geschmacks,« bemerkte Krastinik, »möchte ich wohl
einwenden, dass dieser durch einen organischen Fehler gehemmt wird. Die
übersprudelnde Laune seiner realen Weltbetrachtung verlockt ihn, über den Nahmen
des Kunstwerks wegzuspringen. Ein neckischer Kobold zupft ihm manchmal am Ohr
und der Erzähler überlässt sich seinen Einfällen.«
    »Darauf beruht grade Holbachs Stärke: auf dem Episodisch Anekdotenhaften.
Welche Frische! Und nirgend wirkt seine weltmännische Gewandtheit parfümirt. So
bildet er eine Ergänzung zu Schmoller, einen Übergang zu dem knorrigen
Elementarismus der eigentlichen Realisten: so spielt er eine bedeutsame
Vermittlerrolle.« -
    Als Krastinik gegangen war, fing Schmoller an, diesen kräftig
durchzuhecheln. »Diese Dramen-Versuche!«
    »Doch nicht ohne Glück. Sein sprühend lebhaftes Naturell befähigt ihn,
lebendige wirkungsvolle Szenen aneinanderzureihen. Allerdings versagt bei ihm
grade das, was den wahren Dramatiker macht: Straffe Spannung des Konflikts und
zielgerechter Aufbau. Handlung macht noch kein Drama. Darüber täuscht er uns
nicht weg mit seinen theatralischen Kinkerlitzchen und dem schillernden Kolorit
seiner Jamben.«
    »Und wie vergriff er sich in seinen Stoffen! Nirgends ein schüchterner Griff
ins Realistische! Oeder Jamben-Epigone. Von eigentlicher Gestaltungskraft und
Vertiefung keine Spur. Die psychologische Entwickelung wird stets als etwas
schon Vollzogenes gegeben. Fadenscheinige Dürftigkeit der Fabulirung. Alle
Vorgänge sprunghaft und unvermittelt. Und dann die vielen Musterweiber und
biederen Menschen! Von denen steckt die Welt ja voll - man merkt's nur nicht! Man
kann auch diesen Realisten unbedenklich jeder Salondame empfehlen, um so mehr
der ritterliche Sänger dem deutschen Weibe so feinfühlige Komplimente sagt. Na,
er muss es wissen.«
    »Gewiss,« gab Leonhart sein abschliessendes Urteil ab. »Seine ideenlose
Sinnlichkeit schweift nur ins Teatralische und Bildmässige aus. Aber er entbehrt
nicht einer wirklichen Anschaulichkeit, einer gewissen rauen
Leidenschaftlichkeit. Seine lyrische Formbegabung verleiht auch seiner Prosa
einen zarten Schmelz, wo er überall lyrische Momente verschwenderisch ausstreut
und einstreut -«
    »Ja, um mit solchen Überflüssigkeiten die allzu langsam rollenden Räder zu
schmieren und die Lücken zu stopfen. Dieses lose Bündel mühsam
zusammengeschweisster Genrebilder! Und wird mal ein Ansatz zu aufbauender
Komposition sichtbar, so erlahmt
