 Josefa
französisch parliren und das Klavier stümpern kann, das ist mir gleichgültig.
Sie ist schön, sie ist klug, sie ist gut und ich liebe sie. Das ist genug ...
Ja, Kampf wird's kosten. Aber ich will ihn schon durchfechten, ich! Ich hab'
Schneid' genug, mir allein durchs Leben zu helfen. Habt's a Schneid'! sagen wir
hier, wir Tyroler. - Nun so lasst doch seh'n, was der Alte will.«
    Er hatte am vorigen Abend an den Alten per Badhiesl geschrieben, als dieser
ihm gedroht, man werde nun Josefa einsperren und ihr jeden Umgang mit ihm
untersagen, er wolle in allen Ehren um ihre Hand werben. Er bitte hiermit ihm
Josefa zur Frau zu geben, und werde dankbar dafür sein! Nach der
Frohnleichnamprocession werde er sich die Antwort holen.
    Was musste ihn, einen obskuren märkischen Adligen ohne Vermögen und
Konnexionen, aufgewachsen in altererbten nichtigen Vorurteilen des sogenannten
»Standesgefühls« und Kastenunfugs, dieser Entschluss gekostet haben, der
vielleicht seine ganze Zukunft zerriss! War er »sentimental« oder »poetisch«?
Gott bewahre! Eine eminent praktische Natur. Aber er trug jene elementare
Leidenschaft in sich, welche bedeutende Menschen besonders in der »Liebe« zu
Torheiten verleitet, die mittelmäßigen Durchschnittsnaturen stets erspart
bleiben. Ob »praktisch« oder »poetisch«, ob Dichterling oder
Staatshämorrhoidarius bleibt sich gleich - auf die Bedeutendheit kommt es an.
»Sentimental«! Das Genie ist nie sentimental, aber es scheint für kleinlich
rechnende Gemüter darum oft etwas Kindlich-Jugendliches und darum Lächerliches
auszustrahlen, weil es den Maßstab einer eigenen Wahrheit und Wahrhaftigkeit in
sich beschlossen fühlt und daher die Anschauungen der Welt verachtet. Das Genie
ist nie lächerlich, denn es ist sein eigenes Gesetz. Es stellt einen geistigen
Vollblutmenschen andrer Ordnung dar, der das ewig Menschliche in höherer Form
und energischer zum Ausdruck bringt, als die andern.
    Mit schnellem, entschlossenem Schritt betrat er Schwelle, drückte auf die
Klinke der Gaststubentur und - stand dem alten Holzner gegenüber. Im selben
Augenblick verschwand eine weibliche Gestalt auf ein barsches »Geh' ?naus!«
durch eine Nebenpforte. Nur eine Sekunde lang traf das glühende Auge des jungen
Mannes den in Tränen schwimmenden Blick des Mädchens. Ihre Züge waren klassisch
geschnitten - die zartliniirte gebogene Nase, der kleine Mund, die wunderschön
geformten Schläfen und Augen. Obwohl die Innsbruckerinnen im ganzen als die
schönsten in Tirol gelten, findet man doch die vornehmsten und feinsten Profile
in Südtirol. Es ist die alte gotische Nasse. - Aber dies schöne Bild entschwand
wie eine Vision, und die raue Stimme des alten Wirts, einer sechs Schuh langen
Hünengestalt, über gewöhnliches
