 Schaar jener Künstler und
Denker, die vor uns gestrebt und gewirkt!«
    »Und statt dessen bohre ich mich ein auf einen Fleck in ewigem Brüten über
Nichtigem! Der gesunde Mensch sollte lieber jeden Tag als eine freie Gabe
betrachten, für die er danken muss. Ja, was sind wir alle für törichte elende
Zeitvergeuder!«
    Wie die Feuerpfeile, welche die Hindoohs durch die Luft schießen, um den
Pfad ihrer Barken zu lenken, so beleuchtet manchmal eine jäh aufzuckende
Augenblickserkenntnis die Nacht unklarer Empfindung.
    Am Spätnachmittag (sein Zug ging abends, Route über Vliessingen)
verabschiedete sich Xaver von seinem väterlichen Mentor. Dieser begleitete ihn
eine Strecke weit nach Haus zurück.
    »Also Du reisest mit Deinem neuen Freund! Gut, gut, auf Wiedersehen hier im
Herbst.« Dorrington klopfte seinem jungen Freund auf die Schulter und sah ihn
mit jenem herzlichen Wohlwollen an, das den Grundzug seiner edelen Natur bildete.
»Ich verliere Dich ungern lange. In meinem Alter! Wer weiß, ob man sich
wiedersieht! Ich für meinen Teil gehe jetzt bald aufs Land. Ein Buchenwald mit
seinen weißen Stämmen macht einen ruhigen Eindruck. Was soll mir all der
Kultur-Kaleidoskop!«
    »Ich schreibe Ihnen jede Woche zweimal, mein teurer väterlicher Freund. Nie
werde ich Ihre Güte vergessen.«
    »Ach, tutut! Larifari! Ich hab' Dich gern und will Dir wohl und Dich zu
fördern macht mir Vergnügen. Das ist der reine Egoismus!«
    »Sie und Egoismus!« lächelte Krastinik.
    »Pah, Egoismus ist die Triebfeder all unsrer Handlungen. Man schwatzt von
Philantropie - was soll das! Das Wohltun erregt dem Einen ein eben solches
Lustgefühl, wie dem Andern die Befriedigung seiner Bosheit.«
    »Ja, wenn Sie's so nehmen! Aber was bleibt denn da übrig! Wo finge dann die
Tugend an! Verfeinerter Egoismus steckt natürlich in Allem. Der Märtyrer am
Brandpfahl pflegt den verfeinerten Egoismus, sich über die Welt erhaben zu
fühlen. Auch das ist ein Lustgefühl.«
    »Sehr gut.« Dorrington wiegte beistimmend sein ehrwürdiges Haupt. »Du fängst
an, zur Erkenntnis zu gelangen. Fahre so fort!«
    »Aber nein doch! Sie als Prediger der Selbstsucht - das widerspricht ja
Ihren eignen Teorieen. Und überhaupt, mir scheint diese kalte Vernünftelei doch
anfechtbar. Ist der Mensch nicht von Natur gut, selbstvergessend? Sobald man
Jemand ertrinken sieht, heißt uns der Instinkt nachspringen, also etwas
Unselbstisches. Erst die Berechnung und Überlegung lässt uns stillestehn. Wie
kommt das? Des normalen Menschen Gewissen ist also von Natur edel und gut.«
    »Gewissen? Was ist das? Die Philosophie hat längst festgestellt, die
Psychologie längst deducirt,
