 wohl, bis sie gesänftigt, wie nach dem Sturm der wrackbesäte Ozean!
Dies stolze unruhvolle Herz, dies Meer, in das Vulkane sich gebettet, sänftigt
sich nun und dehnt sich weltenweit und ruhig wird's in ihm. Aus dem Giganten,
der den Ossa auf den Pelion getürmt, wird nun ein Gott, ein ruhig stolzer Gott,
der im Bewusstsein seiner Ewigkeit mit unsterblich hehrem Leiden auf das
Vergängliche herniederschaut.
    Jetzt bist du groß! Wie einst der arme Unbekannte groß - jetzt, jeder Macht
entkleidet, allein dem Schöpfer gegenüberstehend, allein in deiner Blöße,
Mensch! Kleiner war der Kaiser, als einst der arme Lieutenant. Da er auf Throne
als Schemel sich stützte, als Molochgötze der Gloire, war er kleiner als jetzt,
wo er einsam an dem Grabstein seiner Größe lehnte, wieder allein mit den Träumen
seiner Jugend, allein mit seinem Genie. Abgefallen sind Purpurtoga und goldner
Lorbeerkranz und ellenhoher Koturn, die Rolle Cäsars ist ausgespielt. Alles
Andre war nur ein Fiebertraum im Scheintraum dieses Lügenlebens. Marengo,
Austerlitz - das sind nur Namen, gelallt vom Weltgeist im Delirium - Kaisertum,
Weltreich und Gloire, das Gift von Fontainebleau und Elbas Schmach, der Flug gen
Notredame, der Donnerschlag von Waterloo - alles nur Schatten, die der Wahn
erzeugte, Leiden und Freuden eines Fiebertraums.
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    Und auch aus diesem Traum fuhr der junge Dichter empor, dem Traum der
Wahrheit. Verstand er die Wahrheit, die ihm aus dem Abgrund des Unbewussten
mächtig entgegenquoll? Verstand er, dass Alles Irdische nichtig sei, keines
Lächelns wert und keiner Träne? Dass nur Eines wahr und echt bleibt im
kreisenden Wechsel der Dinge: Das große Ich, die kleine Welt umfassend?
    O hüte, hüte dich, junger Gott! so hörte er entschlummernd eine unsichtbare
Stimme. Reisse dir nicht das Ewige aus wundem Herzen! Lass den Fittich deiner
Seele nicht hinschleifen im Staube, nicht frech emporkriechen an deines Geistes
Postament das niedere Gewürm! Sei groß! Selbst im Orkan bewahre die kalte Wonne
innerer Ruhe, wie Alpen ihren Schnee! Schüttle den eitlen Größenwahn ab, der die
wahre Größe vergiftet! Sei groß!
    Mit einem Lächeln entschlummerte der Träumer. Wie des Mondes goldiges
Strahlenöl die Gewässer sänftigt, so gossen diese Gedanken Frieden in sein
dunkles Sein. Noch im Schlaf trugen seine Züge den Ausdruck stolzer
Unbeugsamkeit. Ein großer Mann oder ein großer Narr zu werden - beides war in
seine Hand gelegt.
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