 galligen
Träumereien hinzugeben. Es sieht sich Alles verschieden an, mit leerem, oder mit
vollem Magen.
    Eduard war fest davon überzeugt, dass ihm aus alledem die furchtbarsten
Folgen erwachsen würden. Er schwebte in einer gewissen unbestimmten Angst vor
irgend etwas Peinlichem oder Verderblichem, das ihn treffen sollte.
    Unaufhörlich stürmte er mit großen Schritten im Zimmer auf und ab, bis ihm
die Wadenadern schwollen und er sich müde aufs Sopha werfen musste, indem er
düstere Gedanken hin- und herwälzte.
    Er sollte Spiessruten der Lächerlichkeit laufen; sein Name kam an die
Oeffentlichkeit in komischem Sinne; sein wahnsinniger Heiratsantrag wurde
ruchbar: sein naturalistisches Mal-Prinzip wurde dem Spottepreis gegeben, seine
vielen Feinde warteten ja nur darauf. So zermarterte er sein Hirn und schädigte
seine Gesundheit, statt kalt und gelassen dem Kommenden ins Auge zu blicken.
Allerdings kam ihm stets der Schlussgedanke zu statten, mit dem er seine
Befürchtungen besänftigte. Mit unerschütterlichem Stolze wollte er der Welt
Trotz bieten. Und auch ihr, wenn sie ihn verriet. Der ganze Hochmut des
Künstlers brach sich wieder Bahn in ihm. Was konnte ihn treffen, welcher
boshafte oder zürnende Blick ihm seine Ruhe rauben, welche Beschämung ihm das
Blut in die Wangen treiben, - ihm, der als Künstler eine exceptionelle,
Lebensauffassung besaß, welche alle kleinlichen Rücksichten der gewöhnlichen
Gesellschaftsmoral und Respektabilität weit unter sich sah! Den Kopf konnte es
ja nicht kosten!
    So wogt es in der Seele auf und ab. Was noch eben furchtbar drohend
erschien, so lange draußen der Wind pfiff und Nervenermattung im Hirne Grillen
erzeugte, erscheint im nächsten gefahrlos und gleichgültig. Ein gewisser
unverzagter Trotz allen Gefahren und Unannehmlichkeiten gegenüber, verbunden mit
vorhergehender doppelter Aufregung durch Phantasie-Vergrößerung des Drohenden,
ist ein Merkmal bedeutender Geister. So sah der General Bonaparte seine Lage oft
verzweifelter an, als seine Unterfeldherrn - aber trat die Gefahr nun wirklich
nahe, so war er der Einzige, der sie abzuwenden wusste.
    Seine Unvorsichtigkeit peinigte ihn scharf genug, indem sein Argwohn sich
überall von Spähern umzingelt wähnte, die seine schwachen Seiten belauerten. Es
scheint ein trauriges Erbteil ungewöhnlicher Menschen, dass sie ohne direkt
eitel zu sein, doch stets wähnen, die Welt interessire sich selbst aus Bosheit
für ihre Person und erspähe daher ihre Schwächen. Aber die Welt kennt ihre
eigenen kleinen Lächerrlichkeiten und fasst den bedeutenden Menschen gar nicht als
so exceptionell auf, wie er sich selber. Sie lacht daher über seine Torheiten,
wie sie über die eines beliebigen Andern lachen würde, so dass der Hauptstachel
fortfällt: Sie misst seine Torheit gar nicht nach dem Maßstab seiner geistigen
Bedeutung. Und wie leicht vergisst die Welt das Gute wie das Böse!
    Ein eigentümlicher Spleen ergriff ihn. Alles Wissen, Lernen und Können
